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Gericht in Missoula Diren-Prozess vor dem Ende: Wie schuldig ist Markus Kaarma?


Es ist ein sehr amerikanischer Prozess in Missoula. Hat Schütze Markus Kaarma den Hamburger Austauschschülers Diren D. wirklich aus Notwehr erschossen?

Der Junge aus Hamburg ist 17 Jahre alt und erfüllt sich einen Traum: #link; Er geht als Austauschschüler in die USA. http://www.stern.de/panorama/prozess-gegen-todesschuetzen-von-diren-dede-in-montana-rekonstruktion-der-tragischen-nacht-2156715.html;In Missoula im Staat Montana spielt Diren in der Schule Fußball, hat Freunde, fühlt sich wohl#. Dann, eines Nachts im April, wird er erschossen. Vier Schüsse gibt der Schütze aus nächster Nähe mit einer Schrotflinte ab, nachdem der Junge in seine offene Garage eingedrungen ist. Jetzt neigt sich der Prozess dem Ende zu - es ist ein Prozess, wie er wohl nur in den USA denkbar ist.

Als die Staatsanwaltschaft zum Schlussplädoyer ansetzt, ist der Gerichtssaal vollgepackt. Die Stimmung ist extrem angespannt, kein Sitzplatz ist mehr frei. Bezirksstaatsanwältin Karla Painter versucht, die Argumentation der Verteidiger als Ablenkungsmanöver bloßzustellen. Entscheidend ist ihrer Ansicht nach, was im Kopf des heute 30 Jahre alten Angeklagten Markus K. kurz vor den tödlichen Schüssen vor sich ging.

"Notwehr ist absurd"

Am Tag der Tat hatte er vier Menschen in einem Geschäft noch gesagt, dass er "ein paar verdammte Kids töten" werde. "Kein Scherz, ich meine es ernst. Ihr werdet es in den Nachrichten sehen", gab Painter seine Worte vom 27. April wieder. In der Sekunde, bevor die Schüsse fielen, soll die Lebensgefährtin des Angeklagten "Showtime" gerufen haben. "Notwehr ist absurd", lautet die Schlussfolgerung von Staatsanwältin Jennifer Clark.

Doch genau das macht die Verteidigung geltend: Das Paar sei völlig verängstigt gewesen. Paul Ryan zeichnet in 90 Minuten das Bild eines erschrockenen Hausbesitzers, dessen Zuhause von einer Gang von Dieben im Teenager-Alter ins Visier genommen wurde, die dort Marihuana und Alkohol erbeuten wollten. "Muss er sich in seinem Haus verstecken?", fragt Ryan. Bewohner hätten das Recht und die "Macht", ihr Eigentum zu verteidigen. Die Verteidigung will Freispruch.

Das letzte Wort liegt nun bei den zwölf Geschworenen. Ob die Beratung nur ein paar Stunden oder mehrere Tage dauern wird, ist unklar. "Es ist ein schwieriger Prozess", sagt die Gerichtssprecherin Katie Quam. Das Strafmaß soll ohnehin erst später verkündet werden.

Sehr amerikanischer Prozess

Für die Eltern von Diren, die nach Missoula gereist sind, wird das Warten zur Folter. "Das ist die härteste Zeit unseres Lebens", stöhnte der Vater bereits zum Prozessauftakt vor zwei Wochen. Direns Mutter schluchzt, als die Fotos von jenem Ort gezeigt werden, an dem ihr Sohn zuletzt am Leben war - die Garage von K. Ihr Mann Celal legt den Arm um sie. Beide Eltern sind zum Prozess aus Hamburg angereist, ein türkischstämmiger Student hilft beim Übersetzen.

Es ist eine sehr amerikanische Geschichte, ein sehr amerikanischer Prozess. Montana - das ist der Westen der USA, den sich die weißen Siedler mit der Waffe in der Hand erobert haben. Montana ist noch heute ein stark ländlich geprägter Staat, 57 Prozent der Einwohner besitzen nach Schätzungen eine Waffe - für die Jagd oder eben auch zur Selbstverteidigung. Zudem gibt es in Montana eine "Castle doctrine" (Schloss-Doktrin), die Bedrohten das ausdrückliche Recht verleiht, als Gegenwehr auch zu tödlicher Gewalt zu greifen.

Markus K. zeigt keine Reue

Doch die Frage ist: War der Ex-Feuerwehrmann K. in dieser Nacht des 27. April wirklich bedroht? Es gibt Zweifel, genährt etwa von den Zeugenaussagen aus dem Friseursalon. "Er sagte, er habe drei Nächte nicht geschlafen, weil er mit einer Schrotflinte auf der Lauer liege, um ein paar Kids zu töten", sagte eine Friseurin aus.

Und auch danach gab sich Markus K. alles andere als zerknirscht und reuig. Im Gerichtssaal wurde vor ein paar Tagen ein Tonband mit einem Gespräch abgespielt, das Markus K. aus der Untersuchungshaft mit seiner Partnerin führte. Darauf brüstete er sich geradezu mit dem Tod des Jungen aus Hamburg, ist empört, dass er selbst in Haft ist und beschuldigt wird. Markus K. sagte demnach: "Jeder sollte sich freuen, dass unsere Nachbarschaft sicherer ist, verdammte Idioten."

tob/DPA DPA

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