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DNA-Probe nicht angeordnet: Vergewaltiger hätte gestoppt werden können

Einem derzeit in Koblenz inhaftierten Mann werden 100 Sexualstraftaten, darunter 20 Vergewaltigungen vorgeworfen. Besonders bitter: Der Mann stand bereits 2007 vor dem Kölner Amtsgericht und hätte durch eine DNA-Probe überführt werden können - doch für diese sah die Richterin keine Notwendigkeit.

Ein jüngst festgenommener mutmaßlicher Serienvergewaltiger hätte Medienberichten zufolge schon 2007 gestoppt werden können. Bei einem Prozess gegen den Mann in Köln wegen versuchter Nötigung habe die Amtsrichterin damals auf die Anordnung einer DNA-Probe verzichtet, schreiben mehrere Blätter. Das Kölner Amtsgericht erklärte dazu, man habe damals gar keine DNA-Probe anordnen können, da die gesetzlichen Voraussetzungen dafür fehlten. Dem vor zwei Wochen in der Eifel festgenommenen Familienvater werden 100 Sexualdelikte in Deutschland, Belgien und den Niederlanden vorgeworfen.

Laut Medienberichten hätte eine DNA-Probe den Mann enttarnt, da das Bundeskriminalamt (BKA) seit 2001 dessen DNA von mehreren Tatorten gespeichert hatte. Ein Amtsgerichts-Sprecher sagte am Montag, es handele sich dennoch nicht um eine Justizpanne. Der Verfahrensverlauf 2007 sei als "absolut gängig und vertretbar" einzustufen, betonte dieser.

Bereits 2007 wurde in Köln gegen den Täter ermittelt

Der damals 43-Jährige sei 2007 nicht vorbestraft gewesen. Gegen ihn war in Köln ermittelt worden, weil er einer Frau nachts in ihren Hausflur gefolgt war und sie mit Gewalt gegen eine Wand gedrückt hatte. Als die Frau aber um Hilfe rief und ein Nachbar sich einmischte, flüchtete der Mann. Das Hauptverfahren gegen ihn sei gegen eine vierstellige Geldbuße eingestellt worden, da seine Tat "folgenlos geblieben war und nur geringe Gewalt angewendet wurde", erklärte das Gericht in einer Mitteilung.

Keine "Straftat von erheblicher Bedeutung"

Das Amtsgericht habe nach damaligem Wissenstand nicht fehlerhaft gehandelt, betonte der Sprecher. "Mit unserem heutigen Wissen wäre die Entscheidung natürlich einfach gewesen." 2007 sei es aber rechtlich unmöglich gewesen, eine Probe gegen den Willen des Beschuldigten zu entnehmen und zu untersuchen. Dies sei nur zulässig, wenn es den Verdacht einer "Straftat von erheblicher Bedeutung" gebe oder wenn Grund zur Annahme bestehe, dass es zu weiteren Verfahren wegen erheblicher oder wiederholter Taten kommen werde. Das sei nicht der Fall gewesen. Es habe auch keine "tragfähigen Anhaltspunkte" dafür gegeben, dass der nicht vorbestrafte Mann bereits ähnliche Taten begangen habe.

Anschließend soll der Verdächtige, der derzeit in Koblenz in Untersuchungshaft sitzt, erneut mehrfach zugeschlagen haben. Unter den insgesamt 100 Sexualstraftaten werden ihm auch 20 Vergewaltigungen vorgeworfen.

DPA / DPA