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Dokumente zur Einweisung in die Psychiatrie: Anwalt stellt sämtliche Mollath-Gutachten ins Netz

Gustl Mollaths Zwangsaufenthalt in der Psychiatrie wurde genau dokumentiert. Auf der Website seines Anwalts kann man sich ein Bild davon machen, welche Diagnosen Ärzte stellten und wie er sich wehrte.

Der Anwalt des jahrelang gegen seinen Willen in der Psychiatrie untergebrachten Gustl Mollath hat sämtliche psychiatrischen Gutachten über seinen Mandanten im Internet veröffentlicht. "Angesichts der neu einsetzenden Diskussion um die Rolle der Psychiatrie, (...), aber auch zur Aufhellung der Verantwortlichkeiten im Umgang mit Gustl Mollath erscheint uns ein Höchstmaß an Transparenz angebracht", schrieb Mollath-Verteidiger Gerhard Strate in einer Erklärung. "Ich gehe mal davon aus, dass das Konsequenzen haben wird", sagte Strate. Viele Fachleute zeigten großes Interesse an den von ihm veröffentlichten Dokumenten.

Einblick in das deutsche Psychiatriewesen

Die rund 300 Seiten, darunter auch handschriftliche Anmerkungen Mollaths zu Einschätzungen der Gutachter, sind auf der Internetseite von Strates Anwaltsbüro abrufbar. Zu den Dokumenten gehören die von 2005 bis 2011 erstellten psychiatrischen Gutachten, die Protokolle der Bayreuther Strafvollstreckungskammer sowie ärztliche Stellungnahmen der Bezirkskrankenhäuser Straubing und Bayreuth.

Diagnosen versus Selbstbildnis

In den ärztlichen Stellungnahmen der Bezirkskrankenhäuser Straubing und Bayreuth an die Strafvollstreckungskammern in Regensburg und Bayreuth ist beispielsweise von den Störungen die Rede, die Mollath zugeschrieben wurden. In demselben Schreiben heißt es auch, dass "eine Therapie im engeren Sinne" mit dem Untergebrachten nicht stattfinde. "Herr Mollath verfügt über keinerlei Krankheitsgefühl, geschweige denn über Krankheitseinsicht." Dementsprechend verstehe er sich als Opfer der Justiz und Sachverständigen.

Der 56 Jahre alte Nürnberger Mollath war Anfang August aus der Psychiatrie in Bayreuth entlassen worden. Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte auf eine Beschwerde von Mollaths Anwalt hin zugleich angeordnet, dass das Verfahren gegen den Maschinenbauer in Regensburg neu aufgerollt wird. Mollath war 2006 auf gerichtliche Anordnung in die Psychiatrie eingewiesen worden, weil er seine Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben soll. Der Nürnberger sieht sich dagegen als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Frau und der Justiz, weil er auf Schwarzgeldgeschäfte hingewiesen habe.

anb/DPA / DPA