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Dominique Strauss-Kahn: Komplott-Theorie sorgt für Wirbel

Eine Geschichte des Enthüllungsjournalisten Edward Epstein deckt weitere Ungereimtheiten im Fall des ehemaligen IWF-Chefs und Sarkozy-Rivalen Dominique Strauss-Kahn auf. Sarkozys Partei UMP ist in Aufregung und spricht von "Fantasterei".

Von Leo Klimm, Paris, und Matthias Ruch, New York

Neue Hinweise in der Sexaffäre um Dominique Strauss-Kahn haben der Theorie eines politischen Komplotts gegen den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Nahrung gegeben. Recherchen des US-Journalisten Edward Jay Epstein, die im "New York Review of Books" und in der Financial Times veröffentlicht wurden, sorgten am Wochenende in Frankreich für erheblichen Wirbel. Strauss-Kahn war bis zum Skandal aussichtsreichster Herausforderer von Präsident Nicolas Sarkozy für die Wahl 2012 gewesen.

Im Mittelpunkt der minutiösen Rekonstruktion der Ereignisse im New Yorker Sofitel-Hotel am 14. Mai dieses Jahres steht Strauss-Kahns Blackberry-Telefon, das unmittelbar nach einem kurzen sexuellen Aufeinandertreffen mit einem Zimmermädchen verschwand. Epstein zufolge hatte Strauss-Kahn auf dem Gerät am selben Morgen die Warnung einer Bekannten erhalten, die bei Sarkozys Partei UMP arbeitete.

Dort zirkuliere mindestens eine private E-Mail Strauss-Kahns an seine Frau Anne Sinclair, so die Warnung. Strauss-Kahn habe daher das Gerät untersuchen lassen wollen, um einen Hackerangriff auszuschließen. Spitzenpolitiker der UMP wiesen die Unterstellung eines Komplotts am Wochenende als "Fantasterei" zurück. Der große Widerhall von Epsteins Recherchen erklärt sich aus der Brisanz für Sarkozy: Sollte sich herausstellen, dass die UMP Strauss-Kahn ausforschte, hätte der Präsident kurz vor der Wahl im April 2012 mit einem massiven Skandal zu kämpfen.

Sofitel-Kette weist Darstellung zurück

Schon kurz nach Strauss-Kahns Festnahme in den USA wegen versuchter Vergewaltigung der Hotelangestellten waren in Frankreich Verschwörungstheorien aufgekommen. Allerdings ist Epstein der Erste, der sie mit Recherchen stützt - ohne allerdings konkrete Beweise vorzulegen.

Seine Enthüllungen legen nahe, dass das Zimmermädchen nicht allein in die Affäre involviert sein könnte. Der US-Journalist weist auf zahlreiche Ungereimtheiten hin. So sollen Videoaufzeichnungen zeigen, wie zwei Angestellte kurz nach der Benachrichtigung der Polizei am 14. Mai drei Minuten lang einen Freudentanz aufführen. Zudem sei nicht untersucht worden, warum das Zimmermädchen sowohl vor als auch nach der Begegnung mit Strauss-Kahn eine benachbarte Hotelsuite aufgesucht habe.

Die Sofitel-Kette wies die Darstellung zurück. Der angebliche Freudentanz habe nur acht Sekunden gedauert und in keinem Zusammenhang mit Strauss-Kahn gestanden. Innenminister Claude Guéant, ein enger Vertrauter Sarkozys, wies die Recherchen als "Gerüchte" zurück: "Nur weil Strauss-Kahn sein Telefon verliert, ist das nicht gleich ein Komplott." Strauss-Kahn selbst hatte bereits im September davon gesprochen, die Hotelangestellte sei als "Falle" gegen ihn instrumentalisiert worden. Wegen widersprüchlicher Angaben der Angestellten waren die Anschuldigungen der US-Justiz gegen ihn fallen gelassen worden. Nach Strauss-Kahns Darstellung war der Sex mit ihr einvernehmlich. "Wir müssen uns fragen, ob das Hotel und die französische Regierung die Wahrheit erzählen", sagte sein US-Anwalt William Taylor. Selbst wenn Strauss-Kahn in der New Yorker Affäre voll rehabilitiert werden sollte, ist ein politisches Comeback in Frankreich ausgeschlossen - nicht nur, weil die Sozialisten inzwischen einen anderen Kandidaten gegen Sarkozy aufgestellt haben.

FTD