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Drei mal lebenslange Haft: Der brutale Raubüberfall auf eine reiche Witwe, der zwei Menschen das Leben kostete

Ein Raubüberfall auf drei Senioren, zwei sterben: Der Doppelmord erschütterte die Idylle in dem oberbayerischen Weiler Höfen und löste wegen der hohen Brutalität bundesweit Entsetzen aus. Jetzt hat das Gericht dafür mehrfach die Höchststrafe verhängt.

Drei der vier Angeklagten im Münchener Doppelmord-Prozess bekamen lebenslange Freiheitsstrafen

Drei der vier Angeklagten im Münchener Doppelmord-Prozess bekamen lebenslange Freiheitsstrafen

DPA

Die Täter traten mit Füßen auf die drei wehrlosen Senioren ein, schlugen mit einem kiloschweren Uhrengewicht zu - um an Geld, Schmuck und Goldbarren zu kommen. Zwei Senioren starben, eine Frau überlebte schwer verletzt, sie leidet bis heute.

Heimtücke, Habgier und Grausamkeit sah das Landgericht München II in der Tat. Am Montag verurteilte es drei Männer unter anderem wegen Mordes und besonders schweren Raubes zu lebenslangen Haftstrafen. Eine Frau bekam wegen Raubes acht Jahre. Die Ex-Pflegerin aus Polen hatte den Tipp zu dem Überfall gegeben.

Pflegerin gab den Tipp für den Überfall

Die 50-Jährige hatte in dem Haushalt den schwerkranken Ehemann betreut und nach dessen Tod mit ihrem Bruder (44), ihrem Sohn (25) und einem Bekannten (34) den Überfall auf die wohlhabende Witwe ausgeheckt. Sie schilderte den Männern auch, wo der Tresor stand, ein etwa 40 Kilogramm schwerer Stahlschrank, der die Schätze bergen sollte. Im Februar 2017 setzten die Männer die Tat um. "Wir fahren morgen zum Schränkchen", kündigte der Bruder in einer SMS an.

Als klar war, dass die Witwe an dem Tatabend nicht wie angenommen allein zu Hause war, habe man den Plan angepasst, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Bott. Man habe Schnüre mitgenommen, um die Opfer zu fesseln - und es habe auch eine bedingte Tötungsabsicht gegeben. Die Schläge, auch mit dem Uhrengewicht, hätten dazu führen sollen, die Senioren ruhig zu stellen. "Man will ja dann die Hände frei haben, um ungestört Beute im Haus suchen zu können."

Minutiös schildert der Richter den Tatverlauf. Wie die Männer ins Haus einbrachen, die Opfer mit Tritten zum Schweigen brachten und die Witwe, damals 76 Jahre alt, und ihren 81 Jahre alten Bekannten an den Füßen die Treppe hinunter zerrten in den Keller, so dass die Köpfe aufschlugen. Wie sie Goldmünzen, Schmuck und Geld zusammenrafften, den Safe aus dem Haus schleppten und die schwer verletzten Opfer - die Witwe und der 81-Jährige lebten noch - eingesperrt zurückließen. Anders als die 76-jährige Witwe überlebten eine gleichaltrige Freundin und der 81-jährige Mann die Tat nicht.

Zweifach besondere Schwere der Schuld festgestellt

Eine Frau im Publikum hält sich während der Urteilsbegründung immer wieder die Hand vor den Mund, greift sich an die Augen. Nachbarn aus Höfen sind nach München ins Gericht gekommen. Auch ein Dutzend Ermittler von damals sitzen auf den Zuschauerbänken, von der damaligen Sonderkommission, von der Spurensicherung. "So etwas habe ich noch nie gesehen", schildert einer von ihnen den Tatort.

Für den Bruder sowie den Sohn der Ex-Pflegerin stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Für den Bekannten der beiden habe man nur "knapp" von der besonderen Schwere der Schuld abgesehen.

Den Bruder sah das Gericht als Haupttäter - und weiter gefährlich. Er sei es gewesen, der dem alten Mann einen Schrauberzieher in den Mund steckte und nach außen durch die Wange stieß, war Bott überzeugt. Der 44-Jährige habe zehn Jahre hinter Gittern verbracht und bei der Tat unter Bewährung gestanden. Er habe sich aber auch "langjährige Haftstrafen nicht zur Warnung dienen lassen", sagte Bott. Das Gericht verhängte für ihn auch die anschließende Sicherungsverwahrung.

Witwe will nur noch Ruhe finden

Unruhig verfolgte der 44-Jährige, der auch im Prozess teils gestört hatte, das Urteil. Einmal sprang er auf. Bott rief ihn zur Ruhe. "Für die mündliche Urteilsbegründung müssen Sie nicht verhandlungsfähig sein." Er müsse sie nur einfach abwarten. Sein Anwalt Benjamin Ruhlmann hat schon Revision angekündigt. Er sieht Raub mit Todesfolge und hatte 13,5 Jahre verlangt.

Die ehemalige Pflegerin hingegen fiel ihrem Anwalt nach dem Urteil um den Hals - sie hätte wohl mit einer höheren Strafe gerechnet. Ob die Staatsanwaltschaft, die für die Frau ebenfalls lebenslange Haft verlangt hatte, hier Revision einlegt, war zunächst offen.

Wie mag die Witwe das Urteil aufnehmen? Sie leidet weiter körperlich und seelisch; im Prozess wurde sie per Videoschaltung vernommen, um ihr eine Konfrontation mit den Angeklagten zu ersparen. Ihr Anwalt Derek Setz sagt, sie habe nur ein Anliegen: "Endlich Ruhe zu finden."

fin/Sabine Dobel / DPA