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Doppelmord in Berlin-Wedding Eifersuchtsdrama oder Ehrenmord?

Der Doppelmord hat Berlin erschüttert. Ein Mann schießt mitten auf der Straße auf eine Familie, zwei Frauen sterben. Die Polizei fasst den mutmaßlichen Todesschützen. Er hatte seine Ex-Frau schon zuvor mehrfach attackiert.

Der mutmaßliche Doppelmörder ist gefasst, doch viele Fragen bleiben offen. Nach der Festnahme des 25-Jährigen, der in Berlin auf offener Straße zwei Frauen erschossen haben soll, liegen die Hintergründe noch im Dunkeln. Unmittelbar nach der Tat am vergangenen Donnerstag waren Sorgen über einen weiteren "Ehrenmord" in Berlin laut geworden. Vor sechs Jahren war die junge Türkin Hatun Sürücü von einem ihrer Brüder erschossen worden. Sie hatte sich nach einer Zwangsheirat von ihrem Mann getrennt.

Der Schütze zielte in dem von Einwanderern geprägten Stadtteil Gesundbrunnen auf einen blauen Mitsubishi, feuerte mehrere Schüsse aus einer Pistole ab. Die Ex-Frau des Verdächtigen und ein Begleiter wurden nicht getroffen. Die Mutter (45) der Frau aber starb sofort, eine Schwester (22) wenig später im Krankenhaus. Ein Bruder (27) liegt mit schweren Kopfverletzungen in der Klinik.

Nach vorläufigen Erkenntnissen lässt sich der Verdacht des "Ehrenmords" nicht belegen. "Alles deutet hier auf eine Beziehungstat hin", sagt Birte Rohles von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes in Berlin. Beim "Ehrenmord" beschlössen Familienmitglieder die Bestrafung eines Angehörigen, so solle die Ehre der Familie geschützt werden. Täter sei meist der jüngste Bruder, vor allem wenn er noch nicht strafmündig sei.

Migrationshintergrund bei "häuslicher Gewalt" nicht ausschlaggebend

Bei einer Beziehungstat, die oft auch verkürzt als "häusliche Gewalt" beschrieben werde, laufe die Gewalt zwischen Partnern oder Ex-Liebespartnern ab. In mehr als 90 Prozent der Fälle seien Männer die Täter. Mit oder ohne Migrationshintergrund - statistisch sind laut Rohles alle gesellschaftlichen Gruppen gleich betroffen.

Ob nach der Festnahme der Schutz des Wohnhauses der Ex-Frau gelockert oder aufgehoben wird, sollen die Befragung des Verdächtigen und weitere Ermittlungen ergeben. Die Polizei will sichergehen, dass die Festnahme nicht einen Rachefeldzug etwa von Familienmitgliedern des Mannes auslöst. Zunächst müssen seine sozialen und familiären Hintergründe durchleuchtet werden.

Vermutlich aus Eifersucht hatte der Mann an der Familie und ihrer Ex-Frau Rache nehmen wollen. Das Paar hatte sich vor einem Jahr getrennt. Der junge Mann hatte die 24-Jährige bereits mehrmals angegriffen. Die Frau hatte deshalb eine sogenannte Wegweisung durchgesetzt.

Gerichtsanordnung wurde nicht übersetzt

Mit der richterlichen Anordnung wurde der Mann verpflichtet, sich der Frau nicht zu nähern. Wird gegen eine solche Regel verstoßen, mit der oft auch der Kontakt per Telefon, SMS oder Internet untersagt wird, kann die Polizei den Täter festnehmen. "Wegweisungen sind zunächst ein guter Schritt", sagt Rohles. Allerdings greife die Polizei bei Verstößen nicht immer ein. Verhängnisvoll könne bei dem aktuellen Fall gewesen sein, dass der Mann keine Übersetzung der Gerichtsanordnung erhalten habe.

Wie der Täter sich die Pistole verschafft hat, war zunächst unklar. In Berlin sind allerdings tausende illegale Waffen im Umlauf, die Stadt gilt als Umschlagsort für Schmuggler vor allem aus Osteuropa.

Esteban Engel, DPA DPA

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