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Abhängig gemacht und ausgenutzt: Sex im Austausch für harte Schmerzmittel - "Dr. Feelgood" verhaftet

Ein US-Arzt soll seine Patientinnen systematisch von harten Schmerzmitteln abhängig gemacht und dann sexuell ausgebeutet haben. Nach seiner Verhaftung melden sich immer mehr Frauen, die den 62-Jährigen beschuldigen.

Ein Frau nimmt eine Schmerztablette ein (Symbolfoto)

Ein Frau nimmt eine Schmerztablette ein (Symbolfoto). Der US-Arzt soll die Frauen in die Abhängigkeit getrieben und dann ausgebeutet haben.

"Irgendjemand muss sich um diese Menschen kümmern", sagte der von Medien und Kritikern oft nur "Dr. Feelgood" genannte US-Arzt 2012 in einem in einem Interview mit der "L.A. Times". "Ich bin da, um ihnen zu helfen". Der Anästhesist betreibt eine Praxis in San Diego, in der Patienten teils starke Schmerzmittel verschrieben bekommen. Nun wurde "Dr. Feelgood" verhaftet. Ihm wird vorgeworfen mehreren jungen Frauen Oxycodon und andere harte Medikamente im Austausch für sexuelle Handlungen verschrieben und besorgt zu haben.

In der Kritik ist der Arzt bereits seit seinem Interview mit der "L.A. Times" 2012. Damals konfrontierten ihn die Journalisten damit, dass mindestens 15 seiner Patienten seit 2005 an einer Medikamenten-Überdosis gestorben waren. Der damals 58-Jährige reagierte wenig überrascht, schätzte die Todeszahl durch seine Medikamente sogar noch höher, weil er der Ansicht war, dass diese "auf den Straßen weiterverkauft" würden. "Es beschäftigt mich, es macht mich traurig, aber werde ich deswegen meine Praxis aufgeben? Ich glaube nicht", sagte er der "L.A. Times". Man sage den Patienten, wie gefährlich diese Mittel seien, aber: "Wir können sie ja nicht babysitten."

Dosen "ohne Begründung oder Dokumentation" erhöht

Kritiker werfen dem heute 62-Jährigen seitdem vor, zu vorschnell und in zu großer Menge starke Schmerzmittel zu verschreiben. Immer wieder geriet er in die Schlagzeilen, bekam seinen Spitznamen verpasst. Die zuständige Aufsichtsbehörde verwarnte ihn mehrfach wegen zu großzügiger Verschreibung von Medikamenten. In einem Bericht der Behörde wird ihm vorgeworfen, die Dosen seiner Patienten "ohne Begründung oder Dokumentation" zu erhöhen. Entzogen wurde ihm seine Lizenz allerdings bislang noch nicht.

Nun sitzt er allerdings erst einmal in Haft, die Kaution wurde US-Medien zufolge auf 100.000 US-Dollar festgesetzt. Unter anderem "The Daily Beast" zitiert aus der Anklageschrift gegen den Narkosearzt. Demnach werfen ihm mindestens drei Frauen vor, dass er ihnen gegen sexuelle Handlungen starke Schmerzmittel verschrieben oder besorgt habe. Belastend für den Arzt seien neben den Aussagen der jungen Frauen vor allem eindeutige Textnachrichten, die er verschickt haben soll.

"Dr. Feelgood" soll Ex-Drogenabhängige ausgebeutet haben

Bei den Frauen handelt es sich den Berichten zufolge teilweise um ehemalige Drogenabhängige, die nach dem Entzug auf dem Weg der Besserung waren. Der Arzt soll sie mit starken Schmerzmitteln absichtlich wieder abhängig gemacht haben. Durch die Abhängigkeit von den Mitteln habe er sie so auch von sich abhängig gemacht, und sie dann sexuell ausgebeutet. Er soll die Dosen seiner Patientinnen teilweise ohne deren Wissen gesteigert und immer mehr sexuelle Handlungen dafür gefordert haben. Teilweise habe er auch Geld bezahlt.

Laut dem Portal "10News" hätten sich nach seiner Festnahme zahlreiche weitere Patientinnen gemeldet, denen er ähnliches angetan haben soll. Eine erste Anhörung ist für den 13. September geplant. Sobald er die Kaution zahle, könnte er theoretisch auch wieder arbeiten, da seine Lizenz US-Medien zufolge weiter gilt. Neue Rezepte dürfte er aber nur mit der Bestätigung eines Praxis-Kollegen ausstellen.

fin