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Drei Tote in Hamburg Brandstifter ist selbst noch ein Kind


Bei dem Feuer starben am vergangenen Mittwoch eine Mutter und ihre zwei kleinen Jungen. Nun bestätigen Polizei und Staatsanwaltschaft: Für das Feuer ist ein Kind "jünger als 14 Jahre" verantwortlich.

Ein Minderjähriger soll für den Brand mit drei Toten in einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Altona verantwortlich sein. Der Junge sei Mitglied der Jugendfeuerwehr Hamburg und habe die Tat eingeräumt, teilten die Staatsanwaltschaft und die Polizei Hamburg am Samstag mit. "Hinweise auf eine politisch motivierte Tat liegen nicht vor", hieß es in der Erklärung. Der strafunmündige Junge werde zunächst in einer Einrichtung für Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht.

Nach umfangreichen Ermittlungen konnten Kriminalbeamte das Kind am Freitagabend ermitteln und mit ihm sprechen. Die Auswertung von Videomaterial aus Überwachungskameras, die Arbeit der eingerichteten Sonderkommission "und insbesondere die Aussage einer Zeugin" habe auf die Spur des Minderjährigen geführt. Der Junge sei jünger als 14 Jahre, sagte Oberstaatsanwältin Nana Frombach. Konkretere Angaben machte sie aus Gründen des Sozialdatenschutzes nicht.

Trauermarsch durch Hamburg

Bei dem Brand in dem Mehrfamilienhaus waren am Mittwochabend eine 33-jährige Frau aus Pakistan und ihre beiden sechs und sieben Jahre alten Söhne ums Leben gekommen. Die Ermittlungen zur Brandursache dauerten noch an, sagte Frombach. Für die starke Rauchentwicklung in dem Gebäude soll ein brennender Kinderwagen verantwortlich gewesen sein. Sofort habe es starken und sehr heißen Rauch gegeben, der schnell durch das gesamte Haus zog.

Am Samstag gedachten Hunderte Hamburger der drei Toten. Ein Trauermarsch, an dem auch einige Lokalpolitiker teilnehmen wollten, setzte sich um 13.30 Uhr am S-Bahnhof Sternschanze in Bewegung. Von den Teilnehmern - nach Polizeiangaben waren es etwa 650 - hielten manche weiße Luftballons in den Händen.

Hamburger Feuerwehr will Jugendarbeit überprüfen

Die Hamburger Feuerwehr hat betroffen und fassungslos vernommen, dass ein Angehöriger ihrer Jugendfeuerwehr für den Brand in einer Flüchtlingsunterkunft mit drei Toten verantwortlich sein soll. Die Bestürzung sei umso größer, da es sich um einen der folgenschwersten Brände der vergangenen Jahre in der Hansestadt gehandelt habe, teilte die Feuerwehr am Samstag mit. Man werde diesen Vorfall analysieren und aufarbeiten, um gezielte Rückschlüsse für die Jugendarbeit - aktuell sind demnach mehr als 900 Jungen und Mädchen in den 53 Jugendfeuerwehren der Feuerwehr Hamburg aktiv - zu erlangen.

Auch Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) zeigte sich bestürzt und traurig. "Dass offenbar ein 13-Jähriger, der sich gerade einer Jugendfeuerwehr angeschlossen hatte, den Brand verursacht hat, hat mich mehr als erschrocken und wütend gemacht", erklärte er.

ono/DPA DPA

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