Dreifachmord Die Opfer hatten keine Chance


Die drei Opfer ahnten nichts Böses, als der 35-jährige Ex-Liebhaber, Ex-Mitarbeiter und Schwager bei ihnen auftauchte. "Alles war geplant. Er hat heimtückisch, berechnend und eiskalt gehandelt", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt.

Der Mann aber war nach Ansicht der Ermittler gezielt vorgegangen. "Alles war geplant. Er hat heimtückisch, berechnend und eiskalt gehandelt", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Zwickau, Bernd Hohmann, am Samstag über die Beziehungstat im Vogtland. "Keines der Opfer hat mit einem Angriff auf Leib und Leben gerechnet", sagt Staatsanwalt Michael Respondek. Angesichts der Arglosigkeit blieb ihnen keine Möglichkeit zu Gegenwehr oder Flucht.

Das Amtsgericht Plauen geht von Heimtücke aus, als es am Samstag Haftbefehl gegen den Familienvater aus Werda erlässt. Die Ermittler hatten kurz nach Bekanntwerden der drei Taten einen Zusammenhang und einen Racheakt vermutet. Zeugen hatten sich das Kennzeichen des roten Fluchtautos gemerkt, das dem ersten Opfer gehörte. Mit der 25- Jährigen hatte der verheiratete Mann und Vater dreier sieben, zehn und 14 Jahre alten Kinder zeitweise ein außereheliches Verhältnis.

"Am Donnerstagabend verabredete er sich mit ihr für 18.00 Uhr", sagt der Chef der Polizeidirektion Südwestsachsen, Dieter Kroll. Am Treffpunkt habe er die junge Mutter einer fünfjährigen Tochter mit einem Kopfschuss getötet. Bereits um Mitternacht hatte der Lebensgefährte der Verkäuferin die junge Frau vermisst gemeldet. Gefunden wurde ihre Leiche erst am nächsten Morgen um 6.31 Uhr - von einem Lkw-Fahrer an einem Parkplatz bei Adorf. Da war der Täter längst auf dem Weg ins wenige Kilometer entfernte Werda.

Rache als Motiv

Eine Dreiviertelstunde später gab er auf dem Gelände einer Fensterbaufirma "aus dem Auto heraus" drei Schüsse auf seinen früheren Chef ab. Der Familienvater war sofort tot und wurde von seiner Ehefrau gefunden. Bei ihm hatte der mutmaßliche Täter sieben Jahre lang gearbeitet - bis zu seiner Entlassung im Januar. "Die Gründe dafür waren nicht wirtschaftlicher Art, sondern lagen in der Person des Mannes", sagt Polizeichef Kroll.

Das letzte Opfer wurde um 8.33 Uhr der Bruder seiner Ehefrau, der im Heim für betreutes Wohnen in Plauen lebte. Eine Mitarbeiterin hatte im Hausflur einen Knall gehört und den 40-Jährigen in seinem Blut gefunden. Auch ihn streckte der Täter mit einem Kopfschuss nieder. Der Schwager, mit dem es laut Polizei Streitigkeiten gab, hatte ihm zuvor die Tür geöffnet. "Für ihn waren das alles Menschen, von denen er meinte, dass sie ihm Übles angetan hätten", erzählt Respondek zum Motiv des Mannes, der elf Stunden auf der Flucht war.

Den ganzen Freitag über fahndeten 250 Ermittler, Spezialisten, Beamte unter anderem mit zwei Hubschraubern nach ihm. Die Flucht endete einen Kilometer vor der tschechischen Grenze in einem verschneiten Wald. Der Arbeitslose ließ sich widerstandslos festnehmen. Die noch geladene Tatwaffe, eine Luger-Pistole, hatte er bei sich. "Er wirkte erschreckend normal", sagt Kroll. Kein Alkohol, keine Drogen. Stundenlang wurde er bis in die Nacht befragt. Nach dem Geständnis brach er knapp eine Stunde nach Mitternacht schließlich mit den Worten ab: "Ich bin jetzt müde, es geht nicht mehr."

Peter Dietrich und Simona Block/DPA


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