Dresden Angeklagter ersticht Zeugin im Gerichtssaal


Tödliches Drama mitten im Prozess: Im Dresdner Landgericht hat ein Angeklagter während der Verhandlung eine Zeugin erstochen. Mehrere Menschen sollen verletzt worden sein, auch ein Schuss fiel. Die Polizei konnte den 28-jährigen Täter überwältigen. Offenbar ging es in dem Prozess um einen Streit auf einem Kinderspielplatz.

Ein Angeklagter hat in Dresden vor Gericht eine Zeugin erstochen. Bei dem Vorfall am Mittwochvormittag im Landgericht wurden zudem mehrere Menschen verletzt, wie eine Gerichtssprecherin sagte, die genaue Zahl ist noch unklar. Bei der Überwältigung des Täters fiel zudem ein Schuss aus einer Polizeiwaffe. Der 28-jährige Angeklagte ging nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei mit einem Messer auf die 32-jährige Zeugin los. Die Frau erlag ihren Verletzungen. Gegen den in Perm nahe dem Ural in Russland geborenen Mann werde nun wegen Totschlags ermittelt.

Streit um Schaukel

Zu dem Gewaltausbruch kam es während einer Berufungsverhandlung eines Beleidigungsprozesses, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Nach unbestätigten Angaben eines Reporters der "Sächsischen Zeitung" handelte es sich bei dem Angeklagten um den arbeitslosen Alex W. Bei der getöteten Zeugin soll es sich um eine aus Ägypten stammende Frau handeln. Wie es aus Justizkreisen hieß, wurde der Ehemann des Opfers verletzt. Im Saal seien auch Kinder gewesen.

Alex W. war vom Dresdner Amtsgericht im November 2008 zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Demnach hatte die nun getötete Frau im August 2008 auf einem Spielplatz in Dresden massiv beleidigt. Er soll sie dort unter anderem als Terroristin beleidigt haben. Er war damals mit einem Kind seiner Schwester auf dem Spielplatz, die Frau war mit einem eigenen Kind dort. Sie hatte ihn nach Feststellungen des Amtsgerichts damals gebeten, eine Schaukel, auf der er saß, für ihr Kind freizugeben. Anschließend kam es zu der Beleidigung, über die nun in dem Berufungsverfahren erneut verhandelt werden sollte.

Für das Berufungsverfahren habe es keinen Anlass zu besonderen Sicherheitsmaßnahmen gegeben, sagte eine Gerichtssprecherin. Der Beginn der Verhandlung war auf 9.30 angesetzt. Der Angeklagte griff die Frau den Angaben zufolge gegen 10.30 Uhr an. Im Gericht wurde laut "Sächsischer Zeitung" Amokalarm ausgelöst. Die Polizei konnte Alex W. jedoch schnell überwältigen, er wird zurzeit vernommen. Der Tatort wurde abgesperrt.

Der sächsische Justizminister Geert Mackenroth traf am Mittag im Gericht ein, um sich ein Bild zu verschaffen. Er sagte anschließend: "Ich bin völlig schockiert." Zu den genauen Hintergründen der Tat gebe es noch keine Erkenntnisse. Er sprach der Familie des Opfers sein tiefes Mitgefühl aus.

Erst im April hatte es in Landshut in Bayern eine Bluttat in einem Gericht gegeben. Nach jahrelangem Zwist um Geld erschoss dabei ein 60-jähriger Mann im Landgericht seine 48-jährige Schwägerin, verletzte deren Anwalt und eine zweite Schwägerin schwer und nahm sich mit einem Kopfschuss das Leben.

fgüs/AP AP

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