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Dresden: Heimtücke und niedrige Beweggründe

Zum Auftakt des Prozesses gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini hat die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vorgeworfen, aus Ausländerhass gehandelt zu haben.

Zum Auftakt des Prozesses gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini hat die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vorgeworfen, aus Ausländerhass gehandelt zu haben. Alex W. habe auf sein Opfer und deren Ehemann eingestochen, weil er sie "aus bloßem Hass auf Nichteuropäer und Moslems vernichten wollte", sagte Oberstaatsanwalt Frank Heinrich am Montag vor dem Landgericht Dresden. Marwa El-Sherbini und ihr Mann Elwy Okaz hätten den Angriff nicht erwartet und seien diesem "hilflos" ausgesetzt gewesen. Daher seien die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe erfüllt.

Heinrich schilderte bei der Anklageverlesung, wie Alex W. am 1. Juli dieses Jahres während einer Gerichtsverhandlung, bei der sich der Angreifer wegen früherer Beschimpfungen der Ägypterin verantworten musste, auf die Frau und deren Mann losgegangen war. Alex W. habe mit dem Messer kurz hintereinander und "teilweise mit großer Wucht" abwechselnd auf beide eingestochen. Marwa El-Sherbini wurde durch mindestens 16 Stiche verletzt. Die schwangere Mutter eines dreijährigen Jungen starb wenig später noch im Gericht. Ihr Mann, der als Nebenkläger am Prozess teilnimmt und am Montag vor Gericht aussagen sollte, überlebte schwer verletzt.

Nach der Anklageverlesung stellte die Verteidigung von Alex W. zunächst Befangenheitsanträge gegen die Richter. Die Anwälte begründeten dies damit, dass wegen der "persönlichen Betroffenheit" Zweifel an der Unparteilichkeit des Gerichts bestünden, weil die Tat in einem Gerichtssaal des Dresdner Landgerichts geschehen sei. Der Staatsanwalt forderte, die Befangenheitsanträge abzulehnen.

Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand auf die Besonderheit des Verfahrens ingewiesen. Das Verfahren werde sei dem Tattag "mit weltweiter Medienpräsenz belegt". Es sei trotz der politischen Auswirkungen "kein politisches Verfahren", sagte Wiegand. Es gehe darum, den Tod von Marwa El-Sherbini aufzuklären. "Ihre Würde muss in diesem Verfahren gewahrt werden", sagte die Richterin.

Alex W. war zunächst vermummt und mit einer Sonnenbrille im Gerichtssaal erschienen. Die Vorsitzende Richterin verhängte zum Prozessauftakt ein Ordnungsgeld gegen den 28-Jährigen, weil dieser trotz mehrfacher Aufforderungen Angaben zu seiner Person verweigerte. Die Gerichtsverhandlung hatte wegen der großen Sicherheitsvorkehrungen etwa eine halbe Stunde später als vorgesehen begonnen.

AFP / AFP