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Überdosis Schmerzmittel: Pflegerinnen spritzen 104-Jährigen tot - Milde Strafen

Sie spritzten einem 104-Jährigen eine tödliche Überdosis eines Schmerzmittels: Zwei Pflegerinnen mussten sich deswegen vor Gericht verantworten. Doch sie kommen relativ glimpflich davon.

Auf einer grauen Steinfassade ist ein Schild mit dem Wappen von Nordrhein-Westfalen und der Schriftzug "Landgericht Düsseldorf"

Vor dem Landgericht Düsseldorf mussten sich zwei Pflegerinnen wegen des Todes eines 104-Jährigen verantworten

DPA

Der 104-Jährige war schwer krank und wollte sterben. Von seinem Sohn hatte er sich bereits verabschiedet und danach im Düsseldorfer Pflegeheim einen Suizidversuch unternommen. Seinem Arzt zufolge lag er bereits im Sterben, als seinen Pflegerinnen einen Tag später ein folgenschweres Missgeschick widerfuhr. Sie spritzten dem 104-Jährigen eine Überdosis eines starken Schmerzmittels.

Der Hochbetagte schlief ein und wachte nicht mehr auf - so, wie er es sich gewünscht hatte. Doch eine der Pflegerinnen plagten Gewissensbisse und sie meldete die Überdosis. Die Ermittlungen kamen ins Rollen, die Einäscherung wurde gestoppt und die Leiche obduziert. Monate später flatterte beiden Frauen eine Mordanklage ins Haus.

Ältere der Angeklagten ist verschwunden

Weil sie keine Hilfe geholt hätten, als sie ihren Fehler bemerkten, sei dieses Verhalten nach der Fehldosierung Mord durch Unterlassen gewesen.

Zwar milderte das Gericht die Anklage und damit das Damoklesschwert lebenslanger Haft noch in versuchten Totschlag ab, doch kurz vor dem Urteil war die ältere der beiden Angeklagten verschwunden. Ihr Arbeitgeber meldete sie als vermisst, Polizisten drangen in ihre Wohnung in Kaarst bei ein, fanden die 51-Jährige am Mittwoch aber nicht. Ihr Anwalt konnte sich das nicht erklären.

Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung

Und so wurde seine Mandantin in Abwesenheit wegen fahrlässiger Tötung zu 6000 Euro verurteilt. Ihre jüngere Kollegin kam mit einer Verwarnung davon. Das Gericht stellte bei ihr die Geldstrafe in gleicher Höhe unter Vorbehalt - wenn sie die Bewährungszeit straffrei übersteht, ist der Betrag erlassen. Sichtlich erleichtert verließ sie den Gerichtssaal.

Die Frauen hätten nur am Ende einer Kette von Fehlern gestanden, begonnen mit einer unglücklichen Verordnung des behandelnden Arztes und alleingelassen von der Heimleitung, schilderte Richter Rainer Drees in der Urteilsbegründung. Dass sie ihren Fehler tatsächlich bemerkten und den 104-Jährigen bewusst sterben ließen, sei im Prozess nicht festgestellt worden.

Pflegerin war wohl lange von Richtigkeit der Dosis ausgegangen

Ein Verteidiger hatte beteuert, seine Mandantin sei noch lange nach der Injektion von der Richtigkeit der Dosis ausgegangen. Der 104-Jährige habe zunächst friedlich geschlafen und ruhig geatmet.

Mit der Strafe blieb das Gericht deutlich unter der vom Staatsanwalt beantragten Bewährungsstrafe von jeweils eineinhalb Jahren Haft für beide Frauen. Eine Pflegerin habe der anderen die falsche Dosis genannt und diese habe sie ohne Nachkontrolle verabreicht, sagte Staatsanwalt Matthias Ridder. Das Leben des lebensmüden Opfers sei möglicherweise nur um Stunden oder Tage verkürzt worden.

Unklare Verordnung des Arztes?

"Meiner Mandantin ist ein Fehler unterlaufen", sagte der Verteidiger der verschwundenen 51 Jahre alten Angeklagten. Eine Geldstrafe sei zur Bestrafung dieses Fehlers aber ausreichend. Es seien fünf Ampullen des Medikaments für fünf Tage geliefert worden und die Verordnung des Arztes sei nicht klar gewesen. Der Verteidiger der 35-jährigen Pflegerin hatte einen Freispruch beantragt. 

tkr/Frank Christiansen/DPA
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