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Axt-Attacke: Wie rechte Hetzer im Netz wegen #Düsseldorf durchdrehen

Es ist inzwischen ein so gewohnter wie trauriger Reflex: Während die Nachrichtenlage zur Axt-Attacke im Düsseldorfer Hauptbahnhof noch unklar ist, wissen Fremdenfeinde und Verschwörungstheoretiker in den sozialen Medien schon wieder ganz genau Bescheid.

Düsseldorf

Der Hauptbahnhof in Düsseldorf nach der Axt-Attacke

Nach der Axt-Attacke im Düsseldorfer Hauptbahnhof mit einer Reihe von Verletzten gehen die Ermittler von einem einzelnen Täter mit psychischen Problemen aus. Der Tatverdächtige wurde festgenommen und kam ebenfalls in eine Klinik. Er stamme aus dem ehemaligen Jugoslawien und wohne in Wuppertal, hieß es. Alles deute auf eine medizinisch-psychische Erkrankung des mutmaßlichen Täters hin, erläuterte ein Sprecher der Polizei Düsseldorf. Es gebe bisher keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund.

Soweit die aktuelle Faktenlage. Bis zu diesen gesicherten Erkenntnissen war es allerdings in den sozialen Netzwerken mal wieder ein ganz besonders weiter Weg: Schon nach den ersten vagen Meldungen zur Attacke eskalierten auf Twitter die rechten Hetzer und Verschwörungstheoretiker. Dabei verfielen sie in ihre gewohnten Muster: Spekulationen über das Herkunftsland des Täters, Zorn über die was-auch-immer-verschleiernde Berichterstattung der verlogenen Medien, Spott über die Informationspolitik der Polizei.

Düsseldorf: "Hat mal wieder nix mit nix zu tun"

Der übliche Reflex, alles mit allem zu vermischen, war rund um die Attacke von Düsseldorf auf besonders entlarvende Weise zu beobachten - ganz Twitter ein einziges "Danke, Merkel!", und sobald das eine verschwörerische Weltbild widerlegt ist, wird ein neues Fass aufgemacht, denn ein besorgter Bürger findet immer einen Grund, sich hinters Licht geführt zu fühlen.

Zunächst waren sich die Fremdenfeinde sicher, dass es sich bei dem Täter um einen Flüchtling handeln muss - was die Medien dem Volk angeblich auf Befehl der Bundesregierung vorenthalten würden. Als die Nachricht durchsickerte, dass es sich um einen Mann aus dem "ehemaligen Jugoslawien" handele, wussten viele plötzlich sofort, dass er ein Moslem aus dem Kosovo sei - also: islamistisch motivierter Terrorakt. Als schließlich bekannt wurde, dass der Täter ein psychisch kranker 36-Jähriger Mann aus Wuppertal ist, unkten die User, wie schnell die Polizei diese Diagnose gestellt habe - und warum noch niemand Marcel H. aus Herne in dieser Ausdrücklichkeit als psychisch krank bezeichnet habe.

Was nicht passt, wird passend gemacht, und egal, wie abenteuerlich Zusammenhänge konstruiert werden, zur Not kommt regelmäßig einer mit dem ironischen und neuerdings in vielen Tweets inflationär gebrauchten Totschlagargument um die Ecke: "Schon klar, hat mal wieder nix mit nix zu tun."

Eine Auswahl des Twitter-Wahnsinns zu Düsseldorf seit Donnerstagabend: