Duisburg Ex-SS-Mann wegen 58-fachen Mordes angeklagt


Es geschah kurz vor Kriegsende: Im März 1945 wurde eine Gruppe jüdischer Zwangsarbeiter in einem Wald im Burgenland von hinten erschossen. Jetzt soll ein 90-jähriger Duisburger wegen der Morde vor Gericht gestellt werden.

Wegen Mordes an 58 jüdischen Zwangsarbeitern im heutigen Österreich hat die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für NS-Verbrechen in Dortmund einen ehemaligen SS-Mann aus Duisburg angeklagt. Das teilte das Landgericht Duisburg am Dienstag mit.

Der mittlerweile 90-Jährige soll am 28. März 1945 in Deutsch-Schützen im Burgenland als Angehöriger der 5. Panzerdivision "Wiking" mit anderen Angehörigen der SS und der Hitler-Jugend geplant haben, jüdische Zwangsarbeiter zu töten. Einen Tag später habe er mit weiteren Tätern 57 Zwangsarbeiter in einen Wald gebracht, wo sie in einem Graben niederknien mussten und von hinten erschossen wurden. Zuvor wurden den Opfern laut Anklage die Wertsachen abgenommen.

Außerdem soll der Beschuldigte noch am gleichen Tag oder einen Tag später bei Jabing, das ebenfalls im Burgenland liegt, einen weiteren Juden ermordet haben. Auf einem Marsch mit mehr als 100 Zwangsarbeitern habe der SS-Mann das erschöpfte und nicht mehr gehfähige Opfer von hinten erschossen, so die Staatsanwaltschaft.

Die Anklage geht den Angaben zufolge davon aus, dass sich der Angeschuldigte entsprechend der NS-Ideologie von einer "äußerst feindlichen und menschenverachtenden Gesinnung gegenüber den Opfern" leiten ließ. Die jüdischen Zwangsarbeiter soll er als minderwertig angesehen haben.

Das Duisburger Gericht muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Rentner entscheiden. Der 90-Jährige kann innerhalb von zwei Wochen Einwendungen dagegen vorbringen.

DPA/AFP DPA

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