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Duisburg: Prozess um Mietshausexplosion neu aufgerollt

Heinz N. soll vor über zehn Jahren sein Haus mitsamt den darin schlafenden Mietern in die Luft gesprengt haben - die Mieteinnahmen seien ihm zu niedrig gewesen. In Duisburg soll ihm nun der Prozess gemacht werden - in einer Rekordzeit von nur vier Tagen.

Einer der längsten Mordprozesse in der deutschen Justizgeschichte ist in Duisburg in eine neue Runde gegangen. Mehr als zehneinhalb Jahre nach der verheerenden Explosion in einem Düsseldorfer Mietshaus, bei der sechs Menschen ums Leben kamen, sitzt der damalige Hausbesitzer Heinz N. erneut wegen Mordes auf der Anklagebank. Der Bundesgerichtshof hatte das Verfahren nach Duisburg verwiesen, nachdem er in dem Fall zwei Mal ein Urteil des Düsseldorfer Landgerichts aufgehoben hatte. Der Angeklagte soll sein Haus im Juli 1997 nachts mitsamt den schlafenden Mieter in die Luft gesprengt haben, weil ihm die Mieteinnahmen zu niedrig waren.

Schwarzer Anzug, schwarze Schirmmütze, dunkle Sonnenbrille. Etwas verspätet erscheint Heinz N. im Schwurgerichtssaal des Duisburger Landgerichts und bewegt sich langsam, als würde er unter starken Beruhigungsmitteln stehen. Ihm gegenüber sitzt - wie immer - die Überlebende der mörderischen Explosion, Teresa Rucinska. Sie war schwer verletzt aus den Trümmern geborgen worden, ihre Tochter starb. Seitdem lässt sie Heinz N. in keinem Gerichtssaal, an keinem Verhandlungstag aus den Augen.

In nur vier Verhandlungstagen soll das Urteil gefällt werden

Lange war gerätselt worden, ob sich der 48-Jährige, der sich nach mehr als acht Jahren Untersuchungshaft seit 2005 auf freiem Fuß befindet, dem Prozess überhaupt stellen oder nicht lieber untertauchen würde. Denn nach den Feststellungen des Bundesgerichtshofs scheint eine Verurteilung wegen Mordes nahezu unvermeidlich. Das Gericht hatte alle Tatsachenfeststellungen des letzten Düsseldorfer Urteils für bindend erklärt, nur das Urteil aufgehoben, weil der Mordvorwurf "rechtsfehlerhaft" fallen gelassen worden sei. Deswegen will das Duisburger Gericht in nur vier Verhandlungstagen zum Abschluss des Marathon-Prozesses kommen - im ersten Düsseldorfer Prozess waren es noch 120 Verhandlungstage. Am Donnerstag rekapitulierte das Gericht in einem stundenlangen Vortrag die bisherigen Verfahren. Am 24. Juli 1997 erschütterte nachts eine gewaltige Explosion die Düsseldorfer Innenstadt. Das vierstöckige Mietshaus wird dem Erdboden gleichgemacht. Sechs Bewohner sterben, zwei werden schwer verletzt aus den Trümmern geborgen. Die Ermittler sind sich bald sicher: Der Hausbesitzer hat im Keller des Hauses die Gasleitung aufschrauben lassen. In seiner Garage findet sich die Rohrzange, mit der - das beweisen Lackspuren - an einem Stopfen der Gasleitung hantiert worden war.

Dachdecker sitzt als sechsfacher Mörder seine lebenslange Haftstrafe ab

Bereits 2001 war Heinz N. vom Düsseldorfer Landgericht wegen sechsfachen Mordes aus Habgier zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Doch der Bundesgerichtshof hatte das Urteil gegen den Drahtzieher der Tat wegen eines Verfahrensfehlers aufgehoben. Das Urteil gegen den Komplizen des Hausbesitzers wurde dagegen rechtskräftig: Der Dachdecker sitzt als sechsfacher Mörder seine lebenslange Haftstrafe ab. Im zweiten Durchgang griff sogar das Bundesverfassungsgericht ein und ordnete die Freilassung des Hausbesitzers nach mehr als acht Jahren Untersuchungshaft an. In ungewöhnlich harscher Form rügte das höchste Gericht die "überlange Verfahrensdauer", die zu einem erheblichen Teil dem sträflichen Versagen er Justiz zuzuschreiben sei. Die Überlebenden waren fassungslos. Nach acht Jahren eisernen Schweigens erleichterte dann der rechtskräftig verurteilte Helfershelfer im Zeugenstand sein Gewissen und gestand: "Wir waren das!" Er schränkte aber auch ein: "Das war so nicht gewollt. "Schließlich ließ das Düsseldorfer Landgericht den Mordvorwurf gegen den Hausbesitzer fallen. Er habe seinen Mietern möglicherweise nur einen gehörigen Schrecken einjagen wollen. Im Mai 2006 verurteilte das Landgericht Düsseldorf ihn zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. "Das war kein Glanzstück der deutschen Justiz", räumten mehrere am Verfahren beteiligte Richter ein. Diesmal soll alles ganz schnell gehen. Für den 14. März ist das Urteil geplant. Staatsanwalt Mathias Proyer hat auch schon eine genaue Straf-Vorstellung: "Lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld."

Frank Christiansen/DPA / DPA