Duisburger Bluttat Wollte Mordopfer Waffen kaufen?


Marco M. starb im Kugelhagel von Duisburg. Dabei war der 24-jährige Italiener Medienberichten zufolge offenbar in Deutschland, um Waffen zu kaufen, die er in der Blutfehde mit dem verfeindeten Clan einsetzen wollte.

Nach dem Sechsfachmord von Duisburg scheint sich ein weiteres Motiv für die Tat abzuzeichnen. Wie die Zeitung "Corriere della Sera" berichtete, wollte eines der Opfer in Deutschland offenbar Waffen kaufen und nach Italien schmuggeln. Der 25-jährige Marco M., der dem Clan Vottari-Pelle-Romeo angehörte, sei schon länger von der Polizei überwacht worden. Telefonabhörungen hätten ergeben, dass er unter anderem auf der Suche nach Maschinenpistolen war, die in der Blutfehde mit dem Clan Strangio- Nirta zum Einsatz kommen sollten. Jedoch hätten die Killer zugeschlagen, bevor die Polizei zugreifen konnte, hieß es.

Prodi: "Kampf gegen das Verbrechen"

Marco M. soll zudem an der Ermordung der Ehefrau des verfeindeten Mafia-Paten beteiligt gewesen sein. Maria Strangio, Frau des mutmaßlichen Clan-Chefs Giovanni Nirta, war im vergangenen Dezember getötet worden. Dies gilt Medienberichten zufolge bei den Ermittlern bisher als Hauptmotiv für die Bluttat. Durch den Mord war die seit 16 Jahren dauernde Fehde zwischen den Familien Strangio-Nirta und Vottari-Pelle-Romeo neu aufgeflammt. Warum Marco M. als Verdächtiger nicht in Haft saß, ist unklar. Das Innenministerium in Rom wollte sich nicht dazu äußern.

Auch ist nicht sicher, ob die Täter eigens aus Italien nach Duisburg angereist waren, oder ob sie bereits länger im Ruhrgebiet lebten. Ministerpräsident Romano Prodi versicherte, die italienische Regierung habe einen "enormen Kampf" gegen das organisierte Verbrechen begonnen. Gleichzeitig rief er die jungen Menschen im Land dazu auf, "dem Land zu helfen, um eine historische Veränderung zu erzielen".

Hinweise der Bevölkerung

Die Mordkommission konzentriert sich bei der Fahndung auf zwei mutmaßliche Täter aus dem italienischen Mafiamilieu. Nach der Veröffentlichung eines Phantombildes gingen neue Anhaltspunkte aus der Bevölkerung ein. "Es gibt Hinweise, denen wir jetzt nachgehen", sagte Polizeisprecher Reinhard Pape.

Seit Donnerstagabend sucht die Polizei mit einem Phantombild nach einem der beiden Täter des Mordanschlags vom vergangenen Mittwochmorgen. Das Bild zeigt den dunkelhaarigen Fahrer des Wagens, mit dem die Männer geflüchtet sein könnten. Zu dem zweiten Verdächtigen gebe es bislang keine Beschreibung. Die Männer sollen aus der Umgebung des Tatorts vor einer Pizzeria geflüchtet und in eine dunkle Limousine gesprungen sein.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat einem Bericht der "Berliner Zeitung" zufolge seit längerem Hinweise darauf, dass italienische Mafia-Banden ein starkes Netzwerk in Deutschland unterhalten.

DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker