Durchsuchung bei Tim K. "Da hat sich was angebahnt"


Die Ermittler sehen einen Zusammenhang zwischen Tim K.s Computerspielen und dem Blutbad: In seinem Zimmer fanden die Beamten Ballerspiele und Gewaltfilme. Allein in Baden-Württemberg gab es bisher 52 Trittbrettfahrer, gegen fünf Nachahmer wurde Haftbefehl erlassen.

Im Zimmer von Tim K. hat die Polizei Gewalt-Computerspiele gefunden. Die Ermittler sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Killerspielen wie "Counter Strike" und der Bluttat. "Da hat schon was stattgefunden und sich was angebahnt", sagte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU). Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sprach sich für härtere Maßnahmen gegen Gewalt in elektronischen Medien aus, zudem forderte er ein schärferes Waffengesetz. Experten bestreiten dagegen seit Jahren einen Zusammenhang zwischen Gewaltspielen und Amokläufen. Am Mittwoch will der Bundestag über die Konsequenzen von Winnenden beraten.

Vieles spricht laut Innenminister Reich dafür, dass die Amoklauf-Ankündigung in einem Chatroom im Internet gefälscht wurde. Jedoch gebe es auch Hinweise, dass Tim K. Internet-Cafés besucht habe. Die Polizei hofft außerdem, auf dem beschlagnahmten PC der Mutter des Amokläufers Spuren zu finden. Der Computer des 17-jährigen Todesschützen lieferte keine Belege zur Internet-Ankündigung. Zudem warten die Beamten weiterhin auf ein Ermittlungsergebnis aus den USA. Dort befindet sich der Server des deutschsprachigen Chatrooms.

Die Zahl der Trittbrettfahrer des Amoklaufs nimmt unterdessen weiter zu. Seit vergangenem Mittwoch hat es in Baden-Württemberg 52 Nachahmer gegeben, gegen fünf wurde Haftbefehl erlassen. Ein 17-Jähriger hat im Internet einen Amoklauf angedroht und ist dafür jetzt in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden. Der junge Mann aus dem Raum Ehingen ist seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte der Jugendliche nach Polizeiangaben im Internet eine ähnliche Tat wie den Amoklauf von Winnenden für eine Gemeinde im Raum Ehingen angedroht. Auf einem dazu veröffentlichten Bild war er vermummt und mit einer Pistole zu sehen. Der Betreiber des Internetportals löschte den Eintrag und verständigte die Polizei. Diese durchsuchte die Wohnung des 17- Jährigen und fand dort die Pistole - eine Soft-Air-Waffe. Außerdem entdeckten die Beamten Datenträger und Computerspiel.

Eine Entscheidung über die Zukunft der Albertville-Realschule, in der Tim K. zwölf Menschen erschossen hatte, steht bisher noch aus. Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte, die betroffenen Schüler würden weiterhin psychologisch betreut. Viele der etwa 600 Schüler hätten das Betreuungsangebot am Montag wahrgenommen, auch Schüler des gesamten Schulzentrums fänden Hilfe. Am Montag soll der Unterricht an anderen Schulen wieder aufgenommen werden.

In Schwäbisch Gmünd wurde heute die erste der drei getöteten Lehrerinnen beigesetzt. Für Mittwoch ist in ganz Baden-Württemberg eine Gedenkminute geplant. In Behörden, Schulen und im Landtag werden die Menschen um 10 Uhr in Stille um die Opfer von Winnenden trauern. Am Samstag findet in Winnenden die zentrale Trauerfeier statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Horst Köhler und bis zu 100.000 Besucher werden erwartet.

DPA/AP AP DPA

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