Dutroux-Geschworene Beratungen dauern an


Nach drei Tagen Beratungen zeichnete sich noch immer keine Entscheidung der zwölf Geschworenen im Prozess gegen den mutmaßlichen belgischen Mädchenmörder Dutroux ab.

Die acht Frauen und vier Männer befanden sich nach wie vor in der Militärkaserne Bastin außerhalb von Arlon, wo sie über Schuld oder Unschuld der vier Angeklagten in 243 Punkten entscheiden mussten. Nach Angaben eines Gerichtssprechers war es nicht abzusehen, wann ein Urteil vorliegen würde.

Die Geschworenen hatten keinen Kontakt zur Außenwelt. Die Kaserne wurde von Polizei und Militär hermetisch abgeriegelt. Telefon, Fernsehen, Zeitungen oder das Internet durften die Mitglieder der Jury nicht nutzen. Sie hatten aber Zugriff auf DVD- und CD-Player. Neben einem Beratungsraum standen ihnen ein Speisesaal und jeweils ein Zimmer mit Bad zur Verfügung.

Entscheidung über Schuld oder Unschuld der Angeklagten muss nicht einstimmig fallen

Lautet das Ergebnis acht zu vier, ist die Entscheidung getroffen. Bei einem Ergebnis von sieben zu fünf müssen der Vorsitzende Richter und seine beiden Beisitzer die Entscheidung überprüfen. Ein sechs zu sechs bedeutet Freispruch. Nach einer Entscheidung muss das gesamte Schwurgericht zusammentreten, was etwa drei Stunden dauert.

Die Geschworenen teilen dem Gericht dann ihre Entscheidung mit, allerdings ohne Anwesenheit der vier Angeklagten. Im Anschluss sollen die Angeklagten vorgeführt werden, und der Richter verliest ihnen das Urteil. Zur Festsetzung des Strafmaßes können sich alle Prozessbeteiligten noch einmal äußern. Danach müssen die Geschworenen gemeinsam mit den drei Richtern über das Strafmaß entscheiden. Der Prozess läuft seit dem 1. März.

Dutroux muss sich wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung von sechs Mädchen verantworten, von denen vier getötet wurden. Zudem ist er des dreifachen Mordes angeklagt. Dem 47-Jährigen droht eine lebenslange Haftstrafe. Mitangeklagt wegen Beteiligung an den Taten sind seine Exfrau Michelle Martin, sein Komplize Michel Lelievre und der Geschäftsmann Michel Nihoul. Martin und Lelievre drohen bis zu 30 Jahren Haft, Nihoul könnte für 20 Jahre hinter Gitter kommen.


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