Dutroux-Prozess "Dutroux ist ein Monster"


Im belgischen Arlon beginnen in dieser Woche die Plädoyers im Prozess gegen den Kinderschänder Marc Dutroux. Die Anwälte der Nebenklage forderten eine schwere Bestrafung des Angeklagten.

Im belgischen Mädchenmordprozess steht die Schuld des Kinderschänders Marc Dutroux nach Auffassung mehrerer Nebenkläger fest. In den ersten Plädoyers nach zwölf Wochen Beweisaufnahme forderten die Anwälte am Montag in Arlon eine schwere Bestrafung des Hauptangeklagten. "Dutroux ist ein Monster. Wie viele Leben hat er in seinem unnützen und verfluchten Leben zerstört", sagte Rechtsanwalt Joris Vercraeye. Er vertritt den Vater von Eefje Lambrecks, die 1995 als 19-Jährige entführt und ermordet wurde.

Dutroux und seine Helfer verdienten die höchste Strafe, sagte Vercraeye. Der Jurist sprach von einem "teuflischen Trio", dem neben Dutroux dessen Ex-Frau Michelle Martin und der Komplize Michel Lelièvre angehörten. Alle drei hätten große Gräueltaten begangen, bereuten diese aber nicht: "Ich habe nicht eine Träne gesehen im Glaskasten der Angeklagten", sagte Vercraeye. Dutroux blickte während des Plädoyers starr auf ein Blatt Papier.

"Viele Komplizen wurden nie verfolgt"

Rechtsanwalt Paul Quirynen, der eine andere Familie vertritt, forderte Schuldsprüche gegen Dutroux und alle drei Mitangeklagten in sämtlichen Punkten der Anklage. Er bezeichnete den Mitangeklagten Michel Nihoul als verdächtigen Verbindungsmann. Quirynen bedauerte zugleich, dass "viele Komplizen in diesem Fall nie verfolgt worden sind". Es sei zu einfach, Dutroux als perversen Einzeltäter zu bezeichnen, sagte der Anwalt der Nebenklage.

"Das diabolische Ritual ihres Ehemanns hat ihnen Vergnügen bereitet", sagte Quirynen an die Adresse von Michelle Martin. An den Mitangeklagten Nihoul gewandt erklärte der Anwalt: "Ihre Hände sind schmutzig und bleiben es bis ans Ende ihres Lebens." Anders als Quirynen erklärte der Vertreter von Eefjes Vater jedoch, sein Mandant Jean Lambrecks sei von der Schuld Nihouls nicht überzeugt.

Ermittler haben Mitschuld

Anwalt Vercraeye gab den Ermittlern eine Mitschuld am Ausmaß der Verbrechen: "Eefje wäre noch am Leben, wenn es die Rivalitäten zwischen den Polizeidiensten nicht gegeben hätte. Das erfüllt uns mit Bitterkeit." Dies sei nicht Gegenstand des Dutroux-Prozesses. Er habe aber eine Klage gegen den belgischen Staat eingereicht, weil dieser die Verfehlungen der Polizisten nicht bestraft habe.

Opferanwalt Quirynen sprach unter Berufung auf den früheren Justizminister Marc Verwilghen und Kardinal Godfried Danneels von Netzwerken, die den Schutz der Täter organisiert hätten. So seien Spuren zu einem verdächtigen Hotel in Blankenberge nicht weiter verfolgt worden, um "die Mafia von Charleroi" nicht zu stören. Ein Zeuge hatte ausgesagt, er habe Eefje Lambrecks und ihre Freundin Ann Marchal am Abend ihrer Entführung vor dem Hotel gesehen.

Urteil mitte Juni erwartet

Die Plädoyers von Nebenklage, Anklagevertretern und Verteidigern werden mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Ein Urteil wird frühestens Mitte Juni erwartet. Der Vater einer ermordeten Neunjährigen sprach von einem "absehbaren Scheitern" der zwölfwöchigen Beweisaufnahme. "Wir wissen heute nicht mehr darüber als zu Beginn", sagte Jean-Louis Lejeune der Zeitung "Le Soir" vom Montag. Dem Vorsitzenden Richter Stéphane Goux warf er vor, Dutroux und Martin nicht genügend mit ihren widersprüchlichen Aussagen konfrontiert zu haben.

DPA DPA

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