Dutroux-Prozess "Sie war ihm hörig"


Die Ex-Frau und Mitangeklagte von Marc Dutroux, Michelle Martin, veränderte sich nach Zeugenaussagen sehr stark, als sie mit Marc Dutroux zusammen kam. Sie war offensichtlich von ihm abhängig.

Die Ex-Frau des mutmaßlichen belgischen Kindermörders Marc Dutroux soll sich unter dessen Einfluss völlig verändert haben. "Das war nicht mehr die Michelle Martin, wie ich sie kannte", sagte eine frühere Studienfreundin am Dienstag als Zeugin im Prozess vor dem Schwurgericht in Arlon. Dort müssen sich Dutroux, seine frühere Frau und zwei weitere Angeklagte wegen Entführung und Mord verantworten. Sie sollen Mitte der 90er Jahre sechs Mädchen in ihre Gewalt gebracht und vier von ihnen getötet haben.

Sein ordinäres Verhalten hat andere abgestoßen

Als Studentin sei die spätere Grundschullehrerin Martin einfach eine von vielen gewesen, sagten Zeugen aus der damaligen Zeit. Bei einem Treffen ehemaliger Studienfreunde 1984 sei Martin aber bereits mit Dutroux erschienen, und dessen ordinäres Verhalten habe alle anderen abgestoßen. Eine ehemalige Mitstudentin berichtete, zu Hause bei Dutroux und Martin habe ein unbeschreibliches Durcheinander geherrscht. Bei einem Besuch habe Martin mit ihr ins Restaurant gehen und das sechs Monate alte Baby allein zu Hause lassen wollen.

Ohne weitere Regungen erzählte Martin damals nach Schilderung einer Zeugin, Dutroux sei ständig mit Männern unterwegs, um junge Mädchen zu treffen. Einem seiner Freunde habe sie einen Pornofilm gezeigt, um ihm die Zeit zu vertreiben. "Michelle Martin war ihrem Mann hörig", sagte eine ehemalige Nachbarin. "Sie ist nur noch ein Wrack gewesen und hat überhaupt nicht mehr reagiert." Dutroux habe sie ständig angebrüllt und sie zu schweren Arbeiten gezwungen.

Fürchterlichen Lärm gemacht

Nur einer der früheren Dutroux-Nachbarn sagte, nachdem dessen erste Frau weg und Martin eingezogen war, "da war dort immer Disko bis nachts um vier". Beim Liebesspiel habe das Paar einen fürchterlichen Lärm gemacht. Martin sei lebenslustig gewesen und habe morgens oft nur leicht bekleidet die Post aus dem Kasten geholt.

In dem seit Anfang März dauernden Verfahren werden in diesen Tagen Dutzende Zeugen gehört, die die Persönlichkeit der Angeklagten schildern sollen. Ein Urteil wird nicht vor Mitte Juni erwartet.

DPA DPA

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