Dutroux-Prozess Das große Nervenflattern


Der vor Gericht stehende Kinderschänder Marc Dutroux schlug während einer Routine-Durchsuchung seinen Kopf gegen die Wand seiner Zelle. Der unter extremer Anspannung stehende Angeklagte ist aber weiter verhandlungsfähig.

Die Nerven des Kinderschänders Marc Dutroux liegen in der sechsten Prozesswoche offensichtlich blank. Am Dienstag erschien der Hauptangeklagte im Prozess um die Entführung und Ermordung mehrerer Mädchen Mitte der 90er Jahre mit einer deutlich sichtbaren Beule auf der Stirn vor seinen Richtern. Dutroux hatte sich erst gegen seine tägliche Routine-Durchsuchung zur Wehr gesetzt und anschließend seinen Kopf gegen die Zellenwand geschlagen, berichteten Sprecher von Polizei und Justiz übereinstimmend.

Schon acht Verhandlungstage seien für manchen Angeklagten schwer durchzustehen, sagte der herbeigerufene Arzt nach der Untersuchung am Dienstag. Dutroux stehe nach mehr als 20 Prozesstagen zwangsläufig unter Anspannung, sei aber weiter verhandlungsfähig. Justizexperten schlossen am Dienstag nicht aus, dass der vorbestrafte Vergewaltiger demnächst auch im Schwurgerichtssaal die Nerven verliert. Dann könnten seine Aussagen dem Prozess eine neue Wendung geben.

Seine Aussagen stiften Verwirrung

Bisher haben Dutroux’ Worte eher neue Verwirrung zum Ablauf verschiedener Entführungen gestiftet. Zum Verschwinden der beiden Teenager An Marchal und Eefje Lambrecks im August 1995 etwa, das in dieser Woche vor Gericht aufgerollt wird, gab Dutroux eine völlig andere Version als der Mitangeklagte Michel Lelièvre. "Man kann leicht wählen zwischen den Erklärungen von Michel Lelièvre und denen eines krankhaften Lügners, der jedes Mal etwas erfindet", meinte Lelièvres Verteidiger Olivier Slusny zu den Widersprüchen.

Während Dutroux’ Anwälte weiterhin die Theorie von einem Pädophilen-Netzwerk vorbringen, stellen die Verteidiger der drei Mitangeklagten den Hauptbeschuldigten als Einzeltäter dar. Immer wieder kommen vor Gericht zudem Ermittlungsmängel bei Polizei und Justiz zur Sprache. Die Eltern der entführten und ermordeten Mädchen haben hingegen bisher wenig erfahren vom qualvollen Schicksal ihrer Kinder zwischen dem Datum der Entführung und jenem Tag, an dem ihre abgemagerten Leichen gefunden wurden.

Roland Siegloff DPA

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