Dutroux-Prozess Die Mehrheit der Belgier will die Todesstrafe


Im Falle eines Schuldspruchs für den Kinderschänder Marc Dutroux würden zwei Drittel aller Belgier die abgeschaffte Todesstrafe für angemessen halten.

Im Falle eines Schuldspruchs für den Kinderschänder Marc Dutroux würden zwei Drittel aller Belgier die abgeschaffte Todesstrafe für angemessen halten. Das hat eine Umfrage der Zeitungen "Het Laatste Nieuws" und "La Dernière Heure" vier Tage vor Prozessbeginn ergeben. Die 1000 Befragten äußerten zugleich große Zweifel, dass vor Gericht die volle Wahrheit an den Tag kommt. Nur 4 Prozent glauben dies. 88 Prozent erwarten, dass Unklarheiten bleiben werden. Dutroux ist bereits in den 80er Jahren verurteilt worden, weil er Minderjährige entführte und vergewaltigte.

Frage sei "rein theoretisch"

Die Frage sei "rein theoretisch", betonte "Het Laatste Nieuws" am Donnerstag, aber die Antwort dennoch klar. "Ja" erwiderten 66 Prozent aller Befragten auf die Frage: "Wenn die Todesstrafe bei uns noch ausgeführt würde und er schuldig gesprochen wird, müsste Marc Dutroux dann hingerichtet werden?". Noch mehr Belgier glauben, Dutroux werde von hoch stehenden Persönlichkeiten beschützt. Und knapp zwei Drittel der Befragten erklärten, Polizei und Justiz hätten bei der Untersuchung des Falls schlechte Arbeit geleistet.

Keine Haftverkürzung für Dutroux

Ein Todesurteil kommt nach belgischem Recht zwar nicht in Frage, doch dürfte eine mögliche Haftstrafe auf keinen Fall verkürzt werden, fordern die Befragten. 83 Prozent der Belgier sind dagegen, dass Dutroux wie schon nach seiner ersten Verurteilung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Danach hatte der heute 47-Jährige das Kinderversteck in seinem Keller eingerichtet und erneut Mädchen entführt. "Er ist völlig verrückt", urteilte Sabine Dardenne, eines der überlebenden Dutroux-Opfer, nach Jahren des Schweigens jetzt über ihren Peiniger. "Er ist ein Perverser."

Sabine Dardenne: "Er ist ein Perverser."

80 Tage lang hatte Dutroux die damals zwölfjährige Sabine in dem Kellerloch gefangen gehalten. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen RTBF erzählte die junge Frau knapp acht Jahre nach ihrer Entführung erstmals über diese Wochen: "Ich war seine Frau. So hat er es mir gesagt. Ich sei seine neue Frau, sagte er." Dutroux machte dem Mädchen weis, dessen Familie wolle ein gefordertes Lösegeld nicht zahlen. "Um solche Strategien zu erfinden, muss man wahnsinnig sein, nicht ganz in Ordnung", sagte Dardenne. Erst nach ihrer Befreiung habe sie begriffen, wie Dutroux sie manipuliert habe.

Sabine Dardenne ist die Hauptzeugin

Lange hatte Sabine Dardenne das Licht der Öffentlichkeit gemieden. Doch angesichts des nahenden Prozesses mochte die junge Frau nicht länger schweigen. Vor dem Schwurgericht in Arlon wird die 20-Jährige von Montag an als eine von rund 450 Zeugen auftreten. "Sie ist ein Opfer, aber sie ist auch eine Zeugin. Und zweifellos die Hauptzeugin", sagte Dardennes Anwalt Jean-Philippe Rivière. Anders als vier andere Mädchen überlebte Sabine den Schrecken in Dutroux’ Keller. Und in einem geheimen Tagebuch hielt sie die Misshandlungen peinlich genau fest.

Roland Siegloff/DPA


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