Dutroux-Prozess Ein Zucken im Gesicht


René Michaux ist jener Polizist, der das Haus Dutrouxs mehrmals durchsuchte. Trotz eindeutiger Hinweise und der Hilferufe fand er das Kellerverlies der entführten Mädchen nicht.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mädchenmörder Marc Dutroux hat der früher mit den Ermittlungen betraute Polizist erneut jegliche Verantwortung für eventuelle Versäumnisse von sich gewiesen. "Es ist eine Verkettung von Umständen", sagte der ehemalige Oberwachtmeister René Michaux am Dienstag nach einer Anhörung vor dem Schwurgericht im belgischen Arlon. Eigentlich verantwortlich sei die Politik. "Nicht wir machen die Gesetze."

Der Polizist hatte mehrfach das Haus von Dutroux durchsucht, aber nicht das getarnte Kellerverlies entdeckt, wo zu dieser Zeit vermutlich die entführten Mädchen Julie und Melissa gefangen gehalten wurden. Der Fahnder hatte einmal auch Geflüster gehört, die Stimmen aber spielenden Kindern in der Nachbarschaft zugeordnet. Bei einer weiteren Durchsuchung mit Spezialisten und einem Spürhund im August 1996, als Dutroux schon in Haft saß, wurde keine Spur von der kurz zuvor entführten Laetitia entdeckt. Dutroux selbst hatte später die Polizei zu dem Kerker geführt.

Neben Dutroux stehen seit Anfang März dessen Ex-Frau Michele Martin und zwei weitere mutmaßliche Komplizen wegen der Entführung von sechs und der Ermordung von vier jungen Mädchen vor Gericht.

Polizist machte nervösen Eindruck

Der Polizist machte bei seinem Auftritt einen nervösen und gespannten Eindruck. Beobachtern fiel ein Zucken im Gesicht auf. Die Agentur Belga berichtete, Michaux sei erneut als Zeuge geladen worden, nachdem er in einer Fernsehsendung angedeutet hatte, er könne weitere Angaben machen. Michaux zitierte aus privaten Unterlagen über die Durchsuchungen. Zudem berichtete er von einem angeblichen Komplott zwischen Politik und Polizei, wonach er als Sündenbock für Ermittlungsfehler herhalten solle. Ein Polizeisprecher wies dies umgehend zurück.

Der Ermittler erklärte, er habe damals das Haus von Dutroux bewachen lassen wollen, und dann hätte man eventuell auch die jungen Mädchen gesehen. Aber aus Geldmangel sei dies abgelehnt worden. "Wenn die großen Bosse keine Kohle haben, kann ich nichts dafür", erklärte er beim Hinausgehen. Nun sei alles gesagt, "ich bin bereit, wieder ein normales Leben zu führen".

DPA DPA

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