Dutroux-Prozess Opfer erhebt schwere Vorwürfe


Laetitia Delhez, letztes Dutroux-Opfer, erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Peiniger: "Er hat nicht nur unsere Körper, sondern auch unseren Geist vergewaltigt".

Das letzte Opfer des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux hat schwere Vorwürfe gegen seinen Peiniger erhoben. "Dutroux hat nicht nur unsere Körper, er hat auch unseren Geist vergewaltigt", sagte die 22-jährige Laetitia Delhez. Im Mädchenmord-Prozess vor dem Schwurgericht in Arlon begegne sie ihrem Entführer aber inzwischen mit weniger Angst, betonte Delhez in einem Interview kurz vor ihrer mit Spannung erwarteten Zeugenaussage am Dienstag.

"Dutroux hat mir nicht nur die Jungfräulichkeit geraubt", sagte Delhez der Zeitung "La Dernière Heure" vom Dienstag. Ihre sechstägige Gefangenschaft, von der die damals 14-Jährige drei Tage mit ihrer Leidensgenossin Sabine Dardenne in einem engen Kellerverlies verbrachte, hat das Verhältnis der jungen Frau zu Männern insgesamt negativ beeinflusst. "Ich misstraue Männern stets", sagte Delhez. Im Gerichtssaal weiche der Hauptangeklagte Dutroux ihrem Blick seit Prozessbeginn vor acht Wochen aus.

Handelte Dutroux im Auftrag?

Delhez bekräftigte, während ihrer Gefangenschaft drei Telefonate von Dutroux belauscht zu haben. Darin habe Dutroux einem Jean-Michel oder Michel kurz nach ihrer Entführung gesagt, "es hat geklappt". Diese Aussage gilt als Hinweis auf einen möglichen Auftrag des Mitangeklagten Michel Nihoul zur Entführung des Mädchens. Nihoul lässt sich auch Jean-Michel nennen.

Cheffahnder Michel Demoulin sagte am Dienstag im Gericht, der genaue Zeitpunkt dieser belauschten Gespräche lasse sich nicht rekonstruieren. Dutroux und Nihoul telefonierten nach seinen Ermittlungen vor und nach der Entführung mehrmals täglich miteinander. Nihouls Telefonate vor der Entführung am 9. August 1996 hätten aber nicht notwendig mit Laetitia zu tun: "Alle diese Anrufe können im Zusammenhang mit der Wiederbeschaffung von Nihouls Auto stehen", sagte Demoulin.

Doutroux wollte Dardenne angeblich schützen

Delhez’ Leidensgefährtin Sabine Dardenne lieferte sich zum Auftakt des Prozesstages ein heftiges Wortgefecht mit dem mutmaßlichen Mädchenmörder Dutroux. Dieser solle ihr erklären, warum sie nicht in einem Pädophilen-Netzwerk von Nihoul verschwunden sei. Dutroux erwiderte, er habe nicht gehandelt wie von ihm verlangt worden sei: "Ich habe sie nicht an Nihoul gegeben, damit sie nicht wie An und Eefje getötet würde." Er habe sich Sabine nach einiger Zeit verbunden gefühlt und sie darum beschützen wollen.

"Da muss ich Ihnen sogar dankbar sein, oder was?", fragte die junge Frau, die im Mai 1996 als Zwölfjährige entführt wurde. "Ich bin sehr einsam gewesen und wurde fast jeden zweiten Tag missbraucht." Dutroux sagte dazu, Sabine habe ihm monatelang mit dem Wunsch nach einer Freundin in den Ohren gelegen. Danach entführte er die damals 14-jährige Laetitia Delhez. Dardenne reagierte aufgebracht auf die Erklärungen ihres Peinigers: "Können wir ihn nicht bitten, den Mund zu halten?"

Dutroux ist wegen Mordes, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung angeklagt. Neben ihm sitzen drei Komplizen auf der Anklagebank, darunter auch seine Ex-Frau Michelle Martin

DPA

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