Dutroux-Prozess Schlussworte der Angeklagten


In seinem Schlusswort im belgischen Mädchenmordprozess hat der Angeklagte Marc Dutroux erneut die Mord-Vorwürfe zurückgewiesen und seine Exfrau belastet. Das Urteil wird nächste Woche erwartet.

Wenige Tage vor dem Urteil im Prozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux hat der Hauptangeklagte den Vorwurf des Mordes zurückgewiesen. "Ich bin kein Mörder", sagte Dutroux in seinem fast dreistündigen Schlusswort vor dem Schwurgericht in Arlon. Er gab aber zu, für den Tod von Julie, Melissa, An und Eefje Verantwortung zu tragen, weil er die Mädchen nicht ausreichend geschützt habe. Die Ermittlungen und den Ablauf des Prozesses kritisierte der 47-Jährige scharf.

Er komme sich vor "wie eine Marionette in einem Alibi-Prozess", sagte Dutroux. Er bekräftigte die These, dass er nur Teil einer Mafia gewesen sei, die unter dem Schutz von Polizei und Behörden ihr Unwesen getrieben habe. "Die Mörder von An und Eefje sind frei." Aber alle Spuren, die nicht zu ihm geführt hätten, seien nicht verfolgt worden. "Das hätte die These eines isolierten Einzeltäters nur gestört."

Scharf kritisierte Dutroux die Psychiater, die den Angeklagten in ihren Gutachten als Psychopathen beschrieben. Einer der Experten habe seinen Charakter mit dem des NS-Massenmörders Adolf Eichmann verglichen. Gegen diesen Vergleich verwahrte sich der Angeklagte. Eichmann sei ein Sadist gewesen. Er habe den Mädchen aber nie etwas angetan.

Schuldzuweisungen an Exfrau

Den mitangeklagten zweifelhaften Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul beschrieb Dutroux als Zentrum einer Mafia. Nihoul habe die Entführung der Mädchen in Auftrag gegeben. Zudem nannte der Angeklagte die Namen des Polizei-Informanten Gerard Pinon sowie der Kriminellen Claude Thirault und Pierre Rochow, die in dem Fall eine zentrale Rolle gespielt hätten. Pinon und seine mitangeklagte Exfrau Michelle Martin seien für den Tod seines Komplizen Bernard Weinstein verantwortlich.

Wer die zum Zeitpunkt ihrer Entführung die 17 Jahre alte An und deren 19-jährige Eefje umgebracht haben soll, dazu äußerte sich der Angeklagte nicht. Martin, Weinstein und der mitangeklagte Michel Lelievre hätten die beiden Mädchen eines Tages abgeholt, "mit einem mir unbekannten Ziel". Nach Dutroux' Festnahme am 13. August 1996 waren ihre Leichen auf einem Grundstück des Angeklagten ausgegraben worden.

"Es war schrecklich, als sie nicht mehr geantwortet haben"

Für den Tod der am 24. Juni 1995 entführten achtjährigen Julie und Melissa macht Dutroux ebenfalls Martin verantwortlich. Sie habe die Mädchen nicht versorgt, als er eine dreimonatige Haftstrafe absaß. Nach seiner Freilassung im März 1996 habe er die Mädchen tot im Kellerverlies seines Hauses aufgefunden. "Es war schrecklich, als sie nicht mehr geantwortet haben."

Eine Beteiligung an der Entführung der Mädchen bestreitet Dutroux hartnäckig. Dafür seien Lelievre und Weinstein verantwortlich. Er selbst habe die Mädchen eines Tages in seinem Haus aufgefunden und sie zu deren eigenem Schutz im Keller versteckt. Ihre Leichen wurden ebenfalls auf einem Grundstück Dutroux' nach dessen Festnahme ausgegraben. Angeklagt ist Dutroux des Mordes an An, Eefje und Weinstein.

Opfer verließen den Gerichtssaal

Nihoul sagte in seinem Schlusswort: "Ich habe mich niemals einem Kind mit schlechten Absichten genähert." Auch habe er niemals direkt oder indirekt einem Kinderhändlerring angehört. "Ich habe Fehler gemacht in meinem Leben", sagte 62-jährige. "Aber ich habe dafür bezahlt." Martin sagte in ihrem kurzen Schlusswort, sie erwarte nicht, dass die Opfer und die Eltern der toten Mädchen ihr verzeihen. Sie bedauere die Vorfälle aber zutiefst.

Auch Dutroux drückte Bedauern und Trauer aus. Gerichtet waren die Worte auch an seine beiden überlebenden Opfer Sabine Dardenne und Laetitia Delhez. Dardenne verließ den Gerichtssaal, kurz nachdem Dutroux das Wort ergriff, Delhez folgte wenig später. Die zum Tatzeitpunkt 1996 zwölfjährige Sabine verbrachte mehr als 80 Tage in Dutroux' Gewalt, die damals 14 Jahre alte Laetitia sechs Tage, bevor sie befreit wurden.

Geschworene beraten von Montag an

Mit den Schlussworten der Angeklagten ging die seit dem 1. März laufende Verhandlung zu Ende. Am kommenden Montag werden sich die zwölf Geschworenen zurückziehen, um in rund 260 Punkten über Schuld oder Unschuld der vier Angeklagten zu entscheiden. Mit einer Entscheidung der acht Frauen und vier Männer wird Mitte der Woche gerechnet. Dutroux droht eine lebenslange Haftstrafe. Martin und Lelievre drohen bis zu 30 Jahren und Nihoul bis zu 20 Jahren Haft.

Alexander Ratz

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