Dutroux-Prozeß Sex-Video verurteilte Dutrouxs Ex-Frau


Ein Video mit Sexszenen zwischen dem belgischen Mädchenmörder Marc Dutroux und seiner Ex-Frau Michelle Martin hat Schuldspruch und Strafmaß für die Mittäterin stark beeinflusst.

Ein Video mit Sexszenen zwischen dem belgischen Mädchenmörder Marc Dutroux und seiner Ex-Frau Michelle Martin hat Schuldspruch und Strafmaß für die Mittäterin stark beeinflusst. Das sagte einer der zwölf Geschworenen nach der Urteilsverkündung der flämischen Zeitung "De Morgen" vom Mittwoch. Martin sei in dem Video keinesfalls die unterwürfige Frau, als die sie sich während des Prozesses stets dargestellt habe.

"Wochenlang war während des Prozesses über dieses eine Band mit der Bettszene mit Dutroux und Martin gestritten worden", sagte das Jurymitglied der Zeitung. "Die Anwälte von Martin setzten Himmel und Erde in Bewegung, damit das Band jedenfalls nicht im Gerichtssaal gezeigt würde." Die Geschworenen hatten es bei ihrer Urteilsberatung aber unter den Beweisstücken: "Ich muss sagen, dass unsere Sicht auf Martin als untertäniges und misshandeltes Mädchen einigermaßen korrigiert wurde. Von dem Moment an war alle unsere Milde für die geschlagene Frau weg, keine Frage." Vor allem bei der Zumessung der Strafe für Martin habe sich das ausgewirkt.

30 Jahren Haft für Martin

Martin wurde am Dienstag zu 30 Jahren Haft verurteilt, womit die Richter und Geschworenen dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgten. Bei Dutrouxs Gehilfen Michel Lelièvre ließ das Gericht hingegen mildernde Umstände gelten und blieb mit 25 Jahren Gefängnis um 5 Jahre unter dem Strafantrag. Dutroux wurde wegen dreifachen Mordes und der Entführung von sechs Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt. Der vierte Angeklagte Michel Nihoul erhielt 5 Jahre.

Zur Schuld von Nihoul seien die zwölf Geschworenen schon Wochen vor dem Urteil geteilter Meinung gewesen, erzählte ein Jurymitglied in "De Morgen". Sieben von ihnen sahen den vorbestraften Betrüger als Täter oder Mittäter bei den Entführungen, die anderen stimmten letztlich dagegen. Als die drei Berufsrichter sich schließlich auf die Seite der Minderheit schlugen und Nihoul damit von diesem Vorwurf freisprachen, sei dies "ein Schock" für viele Geschworene gewesen. Nihoul galt in der Öffentlichkeit lange als möglicher Verbindungsmann Dutrouxs zu Kinderschänder-Ringen.

Weitere Täter vermutet

Ein Ersatzmitglied der Jury berichtete, etliche Geschworene glaubten an weitere Schuldige in der Affäre: "Was uns sehr irritierte war das Defilee der mafiösen Figuren aus Charleroi." Ein krimineller Freund Dutrouxs habe dem Hauptangeklagten vom Zeugenstand aus zugerufen: "Ich habe die Tür meines Verstecks wenigstens selbst gebaut!" Die Laienrichter hätten jedoch gezögert, sofort harte Fragen zu stellen, um nicht wegen Parteilichkeit von ihrer Aufgabe entbunden zu werden. "Innerhalb der Jury war eine sehr deutliche Mehrheit der Meinung, dass noch ein paar Andere auf der Angeklagtenbank hätten sitzen müssen", sagte das Ersatzmitglied.


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