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Nach schockierenden Enthüllungen: Australisches Folteropfer schreibt Brief aus Gefängnis

Dylan Voller wurde in einer Jugendstrafanstalt mit einem Sack über dem Kopf an einen Stuhl gefesselt. Ein Video davon brachte einen Skandal ins Rollen. Nun meldet sich das Opfer selbst zu Wort.

Die schrecklichen Aufnahmen aus einem Jugendgefängnis im Norden Australiens lösten einen Justizskandal aus. Offenbar mit System wurden dort über einen langen Zeitraum Jugendliche seelisch und körperlich gefoltert. Insassen wurden wochenlang in Einzelhaft gelassen, andere in ihren Zellen mit Tränengas beschossen. Besonders das drastische Video mit einem Jugendlichen, der oberkörperfrei und mit einem Sack über dem Kopf an einen Stuhl gefesselt wurde, gingen um die Welt. Dieser Junge heißt Dylan Voller und hat sich nun an die Öffentlichkeit gewandt.

Über seinen Anwalt lässt er einen handschriftlich verfassten , laut Datum vom 26. Juli 2016, teilen. Darin bedankt er sich bei der "ganzen Australischen Gemeinschaft für die Unterstützung". Darüber hinaus würde er gerne "die Möglichkeit ergreifen", sich für seine Fehler zu entschuldigen. "Ich kann es kaum abwarten, rauszukommen und sie wieder gut zu machen", schreibt er.

Voller war erstmals mit elf Jahren straffällig geworden und war seitdem immer wieder in Gewahrsam, unter anderem wegen Raubs und Autodiebstahls. Inzwischen hat er das Erwachsenenalter erreicht und sitzt in einer normalen Strafanstalt.

Spezieller Dank von Dylan Voller an ABC

Besonders bedankt sich Voller bei dem TV-Sender ABC, seinen Anwälten und einigen Helfern dafür, "die Wahrheit an die Öffentlichkeit" gebracht zu haben. ABC hatte die verstörenden Aufnahmen aus dem Gefängnis im Northern Territory im landesweiten Fernsehen gezeigt und damit eine Debatte in ganz Australien ausgelöst. Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die einen Rücktritt des Regierungschefs des Northern Territory, Adam Giles, fordern. 

Nach Angaben von ABC wurden Insassen der in einem Vorort von Darwin liegenden Haftanstalt Don Dale in den vergangenen beiden Jahren immer wieder von Wärtern schwer misshandelt. Zu dem Video mit dem Jungen mit dem Sack über dem Kopf berichtete ein früherer Wärter, er sei mindestes drei Mal Zeuge der grausamen Prozedur geworden.


Northern Territory mit hoher Kriminalitätsrate

Das Northern Territory hat eine der landesweit höchsten Kriminalitätsraten. Mehr als zwei Drittel der Häftlinge in dem Verwaltungsgebiet sind australische Ureinwohner, deren Leben häufig durch Arbeitslosigkeit, ein geringes Bildungsniveau oder Drogenabhängigkeit geprägt sind. Die Zeitung "The Australian" sieht in dem Fall ein Beispiel für die Diskriminierung der Aborigines. Er sei ein "Fenster zu unserer Schande".

fin mit AFP