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EC-Karten-Betrug in Hannover: Skimming an der Baumarktkasse

Schock in einem Baumarkt in Hannover: Betrüger haben die EC-Karten-Zahlungsterminals manipuliert und die Konten der Kunden geplündert. Ein Problem, das immer mehr zunimmt.

Von Manuela Pfohl

Es war wohl nur ein Zufall, dass der jüngste Fall von EC-Karten-Betrug in Hannover so schnell aufgedeckt werden konnte. Ein Kunde eines Baumarktes hatte am Samstag seine Kontoauszüge geprüft und dabei eine merkwürdige Abbuchung gefunden. Vom Konto war eine Summe abgegangen, die er nie ausgegeben hatte. Der Mann informierte die Polizei - und die machte das Ganze zu ihrem Projekt. Dabei stellte sie schließlich fest, dass Unbekannte offenbar mehrere Zahlungsterminals einer Baumarktfiliale in Hannover manipuliert und auf diese Weise die EC-Kartendaten zahlreicher Kunden erlangt hatten. Rund 140 Fälle sind bislang bekannt. Die Täter haben das Geld an Bankautomaten in den USA abgehoben. Über die Schadenssumme will die Polizei derzeit noch keine Auskunft geben.

Den Ermittlungen zufolge hatten die Diebe vermutlich zwischen dem 30. Juli und dem 13. August mehrere sogenannte "point of sale" (POS)-Zahlungsterminals einer Baumarktfiliale in Hannover technisch manipuliert. Dabei handelt es sich um die Geräte, mit denen man an der Kasse mit seiner EC-Karte bezahlen kann. Auf diese Weise sollen sich die Täter die EC-Kartendaten einschließlich der PIN-Nummern zahlreicher Kunden verschiedener Banken verschafft haben. Ob es weitere Geschädigte gibt, ist noch unklar. Die Ermittlungen dauern an.

Die Polizei hat einen Verdacht

Im Baumarkt selbst herrscht Aufregung. Wie konnten die Geräte manipuliert werden, wann und von wem? Die Beamten haben die betroffenen POS-Terminals erst einmal sichergestellt, um sie nun kriminaltechnisch zu untersuchen. Denn sie haben noch einen Verdacht: Es könnte einen Zusammenhang zu ein paar ganz anderen Diebstahlsfällen geben, die sich in den Polizeiakten finden. In den vergangenen Wochen waren den Ermittlern mehrere Diebstähle von POS-Zahlungsterminals aus verschiedenen Einzelhandelsgeschäften im Raum Hannover bekannt geworden. Die Ermittler raten Betreibern von Geschäften deshalb, mit Argusaugen auf ihre POS-Terminals zu achten und diese zu überprüfen.

Das Ergaunern von Kreditkartendaten hat sich nach ihren Erfahrungen mittlerweile ganz offensichtlich zu einem einträglichen Geschäft entwickelt. Das sogenannte Skimming ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen. Meist werden dabei die EC-Karten-Automaten von Banken oder Sparkassen manipuliert. Allein im vorigen Jahr seien in Deutschland rund 190.000 Kartenkunden von der Manipulation der Geldautomaten betroffen gewesen, sagt das Bundeskriminalamt (BKA) und will deshalb seinen Kampf gegen den zunehmenden Betrug verschärfen.

Die Fälle nehmen rasant zu

Vermutlich bereits ab Oktober wollen die Kriminalisten eine Kooperation mit Banken eingehen, um nach dem Vorbild des amerikanischen FBI mit einem "flexiblen und schnellen Austausch von Informationen neue Betrugsmaschen schneller zu erkennen und gemeinsame Abwehrstrategien zu entwickeln". Das kündigte BKA-Chef Jörg Ziercke an. "Bei jeder Skimming-Attacke auf einen Geldautomaten werden laut Ziercke 60 bis 70 Kunden geschädigt." Insgesamt nehme Computerkriminalität stark zu. "Die Zahlen steigen seit Jahren, die Methoden der Täter werden immer raffinierter", so der BKA-Chef. Der Diebstahl von Kreditkarten-Daten mit anschließender betrügerischer Nutzung habe sich mittlerweile "etabliert".

So wurden nach Angaben der Polizei in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2010 in Deutschland 3183 Manipulationen an Geldautomaten registriert, was eine Steigerung von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeute. Der daraus resultierende Schaden liege bei etwa 60 Millionen Euro und damit ebenfalls deutlich höher als im Vorjahr.

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