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Studie zu Tätern: Einbrecher erzählen: Diese Kriterien machen Ihr Zuhause besonders attraktiv

Für Betroffene ist es ein Schock, wenn ein Einbrecher in ihrem Zuhause war. In einer Studie verrieten Täter nun, nach welchen Kriterien sie sich Häuser oder Wohnung aussuchen und was sie an Deutschland als "Tatort" besonders reizt.

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Gut vier Wochen ist es her, dass die Münchner Polizei ihre bisherigen Ermittlungen zu einem europaweit agierenden Einbrecherclan vorstellte, der in Deutschland zeitweise "für nahezu jeden fünften Einbruch in Frage" kam, wie der leitender Beamte, Reinhold Bergmann, damals erklärte. Der so angerichtete Schaden: mehrere Millionen Euro. Die über Monate zusammengetragenen Ergebnisse erregten jedoch vor allem Aufsehen, weil auch wichtige Hintermänner der hoch professionell organisierten Gruppierung ins Netz gegangen waren. Nichtsdestotrotz räumte Bergmann ebenso ein, "dass die Ermittlungen noch lange nicht abgeschlossen sind".

Eventuell neue Anhaltspunkte für ihre Arbeit könnten die Ermittler nun einer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) vorgestellten Studie entnehmen, die 30 inhaftierte Einbrecher mittels qualitativen Interviews zu ihrer "Arbeit" befragte. Darin gaben die für ihre Taten nach Deutschland gereisten Täter nicht nur Auskunft darüber, warum sie zu Einbrechern wurden und was sie hierzulande reizt, sondern auch, was Häuser und Wohnungen für sie zur interessanten Zielscheibe macht. 

Die Suche nach der "günstigen Gelegenheit"

Demnach fokussieren sich die Befragten auf der Suche nach einer "günstigen Gelegenheit", wie es in der Studie heißt, primär darauf, dass das anvisierte Ziel leicht zu begehen ist, sich die Tat schnell ausführen lässt und zudem ein geringes Entdeckungsrisiko besteht. Ein Hinweis für ein leichtes Eindringen in eine Wohnung oder Haus ist den Angaben zufolge unter anderem ein gekipptes Fenster. Gerade in Mehrparteien- oder Hochhäusern - aufgrund der hohen Dichte an potentiellen Tatobjekten ohnehin besonders interessant - locken zudem vermeintlich qualitativ minderwertige und damit leicht überwindbare (Kunsstoff-)Türen und -fenster. Erstere seien teilweise lediglich mit einer Karte, die zwischen Tür und Türkante gesteckt werde, zu öffnen. Für ein Fenster - im günstigsten Fall über einen Balkon erreichbar - reiche meist ein Schraubenzieher, berichtet ein Einbrecher.

Neben der offensichtlichen Abwesenheit der Bewohner halten die Täter auch Ausschau nach leicht versteckten Einstiegsmöglichkeiten, wie es beispielsweise ein Gebüsch oder Bäume vor Erdgeschosswohnungen bieten. Ebenerdige Wohnungen ließen sich zudem gut einsehen und damit leicht überprüfen, ob tatsächlich niemand zu Hause sei. Trotzdem vergewissern sich die meisten Einbrecher zusätzlich durch Klingeln, bevor sie den "Bruch" begehen. Reagiere niemand, "gehst du auf der anderen Seite der Wohnung und probierst das Fenster auf zu machen", berichtet ein Täter.

Autos und gepflegte Gärten als Indiz für gute Beute

Neben dem Aspekt der "günstigen Gelegenheit" spielt für Einbrecher auch die Aussicht auf eine lukrative Beute eine Rolle. Gerade professionelle Täter, die nicht aus finanzieller Not heraus handeln, würden dafür sogar hintenanstellen, dass sie möglichst ungehindert eindringen können. Ein Hinweis darauf, dass "etwas zu holen" sei, sind demnach zum Beispiel hochwertige Autos vor den Objekten oder auch gepflegte Gärten. Andere schreckt genau das ab, weil sie glauben, das vermeintlich reichere Menschen ihr Hab und Gut entsprechend besser durch Alarmanlagen und Co. schützten.

Wieder andere Einbrecher suchen sich gezielt ältere Bewohner aus, wenn sie auf Beutezug gehen. Die Vermutung: Im Gegensatz zu jüngeren Menschen, die ihr Geld meist auf der Bank hätten, würden ältere deutlich mehr Wertsachen wie Schmuck und Geld im Haus aufbewahren. Zudem fühlen sich viele Täter Senioren gegenüber körperlich überlegen und fürchten sich somit auch nicht unbedingt vor einer Begegnung. So berichtet ein Interviewter, wie er die Wohnung eines Paars mehr oder weniger seelenruhig weiter durchsuchte und sogar einen Safe öffnete, obwohl die Bewohner zugegen waren. "Ich weiß, dass sie nichts tun werden, ich muss mir keine Sorgen machen. Und so bohrte ich weiter", schildert er die Situation. Als Indiz für ältere Bewohner gelten demnach Gardinen.

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Einbrecher erhalten teilweise explizite Tipps

Manche Täter arbeiten laut der Studie auch gezielt für Auftraggeber, die ihnen Tipps gäben. "Ein Umherziehen und Ausschauhalten nach attraktiven Wohnungen und Häusern ist nicht notwendig, vielmehr beginnt die Tatvorbereitung mit der Nennung einer Adresse", heißt es in der Studie. Diese Vorschläge kämen meist aus dem Bekanntenkreis, nicht selten aufgrund eines familären Zerwürfnisses. In so einem Fall würde die Tippgeber zu einem Prozentsatz an der Beute beteiligt.

Im Gegensatz zu der in München aufgeflogenen Einbrecherbande, agierten die interviewten Einbrecher - in der Studie in die Kategorien "Einbruch 'aus der Not heraus'", "Einbruch als einfacher Weg zu 'schnellem Geld'", "Einbruch zur Finanzierung eines luxuriösen Lebensstils" sowie "Einbruch als 'Beruf'" unterteilt - eher in Alleinherrschaft und weniger in Bandenform. Gemeinsame Taten geschähen wenn in "losen Netzwerken", die teilweise auch vom Zufall abhängig seien.

Bargeld, Schmuck und Gold als Hauptziel

Gemein haben die meisten Befragten indes, dass sie es bei ihren Beutezügen vorrangig auf Bargeld, Schmuck und Gold absehen. Eher selten stehlen die Täter Dinge, die sich nicht zu Geld machen lassen, die sie aber selbst gebrauchen können. Neben der Hochwertigkeit der Beute spielt auch die physische Größe von Gegenständen eine Rolle. So berichtet ein Einbrecher, dass er früher auch hochwertige Fernseher habe mitgehen lassen, heute aber kleinere Gegenstände bevorzuge, weil sich diese unauffälliger transportieren ließen. Für Täter, die aus der Not handelten oder einen extravaganten Lebensstil hätten, gelte dies aber nicht unbedingt, so die Studie.

Einbruchschutz in Deutschland oft mangelhaft

Warum sie sich ausgerechnet Deutschland als "Tatort" aussuchen, beantworteten viele Täter mit der Aussicht auf wohlhabende Haushalte. Noch immer herrsche das Bild, dass Deutschland ein reiches Land sei und somit auch wertvolle Gegenstände und Bargeld im eigenen Zuhause aufbewahrt würden. Diese Vorstellung würde nicht selten durch Erzählungen transportiert, schreiben die Forscher. Zudem müssten die Einbrecher in Deutschland nicht lange nach Beute suchen und die Gebäude wären im Vergleich zu direkten Nachbarländern wie den Niederlanden oder Belgien nur selten gut gesichert. Auch deshalb würden sich Täter teilweise gegenseitig informieren, welche Städte oder Regionen besonders rentabel seien. manche verfügten zudem bereits über Bekannte in Deutschland, die als Helfer oder Tippgeber fungierten.

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