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Eiskalter Tod im Hudson Zwei Kajaks. Zwei Verlobte. Eine Leiche.

Hudson River
Die Polizei suchte wochenlang im Hudson River nach der Leiche von Vincent Viafore. Seine Verlobte wird nun verdächtigt, den Mann ermordet zu haben.
© Picture Alliance
Nur wenige Grad Celsius war der Hudson River kalt, als Angelika Graswald mit ihrem Verlobten zu einem Kajak-Ausflug aufbrach. Der Mann ertrank. Ein Jahr nach dem Vorfall sitzt die Lettin in Haft und es steht ein brutaler Verdacht im Raum: War es Mord? Wollte sie an sein Geld?

"Kleines Juwel" - so beschreiben die Betreiber von Pollepel Island das hübsch gelegene Eiland auf ihrer Website. Dunkelrotes Gemäuer einer Schlossruine aus dem 20. Jahrhundert ruht dort friedlich über grünem Gestrüpp. Rund herum fließt der Hudson River in Richtung New York. Zu dieser Insel paddelte Angelika Graswald mit ihrem Verlobten Vincent Viafore mit einem Kayak, das verwunschene Schloss Bannerman Castle gehörte zu den Lieblingsorten der Lettin. Dann soll sie Viafore auf offenem Wasser ermordet haben.

Crime-Story 1240So jedenfalls schildert es Staatsanwalt David Hoovler im Kreis Orange County, der den mysteriösen Tod des 46-Jährigen im April 2015 untersucht. "Graswald tötete ihren Verlobten, indem sie unter anderem einen Stöpsel von seinem Kajak entfernte, damit es sich mit Wasser füllt, und indem sie sich an seinem Paddel zu schaffen machte", heißt es in einer Mitteilung zur Anklage. Das Paddel soll sie weggenommen haben, als er damit kämpfte, im fünf Grad kalten Wasser ohne Schwimmweste nicht unterzugehen.

"Ich wollte, dass er tot ist"

Die Polizei suchte wochenlang nach der Leiche. In einem Video der Befragung, das ABC verbreitete, soll zu hören sein, wie Graswald die Worte sagt: "Ich wollte, dass er tot ist, und jetzt ist er weg und ich bin okay damit." Mögliches Motiv des mutmaßlichen Mordes ist laut Staatsanwaltschaft Viafores Lebensversicherung im Wert von umgerechnet rund 220.000 Euro.

Der Anwalt der 36-Jährigen, die am Donnerstag zu einer weiteren Anhörung bei Gericht erwartet wurde, erzählt eine andere Geschichte: Starke Winde hätten Viafores Kajak kentern lassen. Er sei versehentlich ertrunken, schreibt Verteidiger Richard Portale zu dem Fall. Möglicherweise habe Alkohol eine Rolle gespielt. "Graswald rief (den Notruf) 911 und versuchte, Viafore zu helfen, fiel aber aus ihrem eigenen Kajak und musste gerettet und wegen Unterkühlung behandelt werden", schreibt Portale. Ihr angebliches Geständnis hätten Ermittler ihr in einer stundenlangen Befragung aufgezwungen.

"Ich kann nicht zu ihm paddeln. Er wird ertrinken"

Auch ihr Notruf, den sie an jenem Apriltag absetzte und den der TV-Sender ABC veröffentlichte, lässt auf einen Unfall schließen: "Mein Verlobter ist ins Wasser gefallen, können Sie bitte jemanden rufen", sagt sie mit aufgeregter Stimme ins Telefon. "Halte durch, Baby, oh mein Gott." Es sei zu windig, der Wellengang zu stark, erklärt sie der Polizistin in der Leitstelle. "Ich kann nicht zu ihm paddeln. Er wird ertrinken." Den Vorwurf des Mordes und Totschlags hat Graswald ihrem Anwalt zufolge zurückgewiesen: Sie sei nicht schuldig.

Doch warum behauptet einer der Ermittler, der die Gegend mit Graswald zehn Tage nach dem Vorfall besuchte, dass sie die Manipulation des Kajaks gestanden habe? Und warum wirkte sie nach diesem Gespräch den Ermittlern zufolge gelöst und unbekümmert? Erschwert werden Antworten auf diese Fragen dadurch, dass ein angebliches Geständnis nicht aufgezeichnet wurde und in einem Gerichtsprozess als Beweismittel daher möglicherweise nicht zulässig ist. Das vermeintliche Geständnis wolle er nicht gelten lassen, sagt Portale der Deutschen Presse-Agentur.

Facebook-Eintrag könnte Graswald belasten

Bis der Fall um die aus Lettland stammende Graswald entschieden ist, dürfte noch einige Zeit verstreichen. Seit rund einem Jahr sitzt sie im Kreis Orange County im Gefängnis, die Kaution wurde auf drei Millionen Dollar (2,6 Mio Euro) festgesetzt.

Falls es zum Prozess kommt, könnten auch ihre Einträge in sozialen Netzwerken nach dem tödlichen Vorfall ins Spiel kommen. Laut "New York Times" veröffentlichte sie auf Facebook weniger als eine Woche nach dem Kajak-Ausflug ein Video aus einer Kneipe. Darin ist zu sehen, wie sie auf der Bühne steht und mit Freunden "Hotel California" singt.

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Johannes Schmitt-Tegge, DPA

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