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Eislingen-Prozess: Mord aus Habgier? Zweifel bleiben

Was waren die Hintergründe der Bluttat von Eislingen? Das Gericht ist sich sicher. Angehörige zweifeln trotz 20 Verhandlungstagen, mehr als 50 Zeugen und zwei großen Gutachen.

Von Malte Arnsperger, Ulm

Es ist fast auf den Tag ein Jahr her, dass er seine Familie getötet hat. Andreas Häussler stützt den Kopf auf seine geballte Faust, die Augen fest auf den Tisch vor sich gerichtet. Auf der Anklagebank vor ihm sitzt Frederik Begenat, krummer Rücken, die Hände zwischen den Beinen gefaltet. Die beiden zeigen keinerlei Reaktion auf das, was sie gerade gehört haben. Das Landgericht Ulm hat sie im sogenannten "Vierfachmordprozess von Eislingen" wegen der Tötung der beiden Schwestern und der beiden Eltern von Andreas verurteilt. Der zur Tatzeit 18-jährige Andreas muss nach Erwachsenenstrafrecht lebenslang ins Gefängnis, sein damals 19-jähriger Freund wandert nach Jugendstrafrecht für zehn Jahre hinter Gitter. Harte Urteile am Ende eines aufwühlenden und spektakulären Prozesses.

"Beide wollten die Tat"

Seit einem halben Jahr hatte das Gericht unter Vorsitz von Gerd Gugenhan versucht, die Hintergründe des Vierfachmordes in der schwäbischen Kleinstadt aufzuklären. Ein Verbrechen, "das eine ganze Region erschaudern ließ", sagte der Richter. Detailliert und ausführlich schilderte Gugenhan die Ereignisse, die aus Sicht der Kammer zu der Bluttat an Ostern 2009 geführt haben. Gugenhan berichtete von den Einbrüchen in Schulen, Märkten und Vereinsheimen, die Andreas und Frederik von Mitte 2007 bis Ende 2008 begangen hatten. Er erwähnte die "gefühllose Massakrierung" einer Katze durch die beiden Freunde Ende 2008. Gugenhan zitierte eine Aussage von Frederik: "Zu diesem Zeitpunkt stand das Thema Töten bei Andreas extrem an."

Dieser Ansicht ist auch die Kammer. Denn zum Jahresende 2008 hätten die beiden Freunde konkrete Pläne für die Ermordung von Andreas‘ Familie entwickelt. Dazu hätten sie Schalldämpfer gebaut, Schussversuche mit gestohlenen Waffen gemacht und sich mögliche Tatalternativen überlegt. Das Gericht betonte: "Es ging ihnen von Anfang an darum, vier Menschen zu töten. Denn es bestand immer die Gelegenheit, nur den Vater zu töten."

Während der Richter dann die Tatnacht rekapitulierte, mit ruhigen Worten schildert, wie die beiden arglosen Schwestern Annemarie und Ann-Christin Häussler auf ihren Betten erschossen wurden, wie das Ehepaar Häussler wenige Stunden später im Eingangsbereich der Wohnung ermordet wurde, schaute Andreas immer wieder zu der Richterbank. Hin und wieder trafen sich die Blicke des Angeklagten und des Richters. "Beide wollten die Tat", las Gugenhan von seinem Papier ab.

Ob Frederik wirklich, wie von den beiden Jungs zuletzt stets behauptet, alle Schüsse abgegeben hat, sei abschließend nicht zu klären. Rechtlich spielt das aber keine Rolle, denn Gugenhan betonte: "Beide sind verantwortlich für den jeweils anderen, beide sind Mitttäter."

Psychiater: Hass spielte keine Rolle

Doch warum wurden die beiden Freunde zu Mittätern an einem solchen Verbrechen, das selbst den erfahrenen Gerichtspsychiater Peter Winckler in Erklärungsnot gebracht hatte? 20 Verhandlungstage, über 50 Zeugen und zwei ausführliche psychiatrische Gutachten hatten letztlich diese Frage nicht eindeutig beantworten können. Doch Gugenhan meinte zu Anfang seiner Urteilsbegründung. "Wir meinen, darauf einige Antworten gefunden zu haben." Das Motiv für die Morde sei jedenfalls nicht der Hass auf einen "angeblich despotischen und tyrannischen" Vater Hans Jürgen Häussler gewesen. Dies hatten die beiden Angeklagten stets behauptet. Nein, dafür habe man keine Anhaltpunkte. "Natürlich gab es in der Familie Streitgespräche, wie in anderen auch", sagte Gugenhan. "Aber die Zeugen haben uns eine harmonische Familie geschildert."

Damit folgte das Gericht der Staatsanwaltschaft. Die hatte Habgier als Hauptgrund für die Tat angesehen, es sei Andreas um ein Konto mit rund 250.000 Euro gegangen. Richter Gugenhan sagte, Andreas habe vor allem ein finanzielles Interesse an den Morden gehabt, darauf weise insbesondere eine Art To-do-Liste hin. Darauf hatte Andreas "Oma anrufen wegen Beerdigung" oder "Finanzcheck" aufgeführt. Bei Frederik hingegen nahm das Gericht an, dass er aus falsch verstandener Freundschaft zu Andreas gehandelt hat. "Frederik hat bedingungslos alles für Andreas getan. Die Freundschaft ging über das Leben von vier Personen."

Dass die beiden Freunde zu langjährigen Haftstrafen verurteilt würden, war eigentlich schon vor Urteilsverkündung klar. Schließlich hatten sie die Morde gestanden, zudem gab es objektive Beweise. Doch das Gericht musste auch entscheiden, welches Strafrecht für die beiden Heranwachsenden gelten soll. Vor allem der Verteidiger von Andreas Häussler hatte vehement für die Anwendung des milderen Jugendstrafrechts für seinen Mandanten plädiert. Letztlich vergeblich, denn auch hier folgten die Richter weitgehend der Meinung der Staatsanwaltschaft. "Andreas Häussler ist eine gereifte Persönlichkeit, wir können bei ihm keine Reifeverzögerungen feststellen." Deshalb sei er nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen.

Gugenhan stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest, weshalb Andreas Häussler nicht schon nach 15 Jahren freigelassen werden kann. Auch müsse während der Haft geprüft werden, ob für Andreas nach der Verbüßung der Strafe die Sicherungsverwahrung anzuordnen sei. "Wir haben nämlich auch die Aufgabe, die Gesellschaft zu schützen." Bei Frederik Begenat hingegen erkannte das Gericht Reifeverzögerungen und eine Persönlichkeitsstörung und verurteilte ihn nach Jugendstrafrecht.

Mahnend redete Gugenhan den beiden Jungs ins Gewissen: "Sie beide haben schwere Schuld auf sich geladen. Sie können und müssen etwas tun und an sich arbeiten. Für sich und die Gesellschaft."

Verteidiger wirft Kammer "schwere Verfahrensfehler" vor

Verhaltene Zufriedenheit bei Frederiks Verteidiger Klaus Schulz: "Ich habe so ein Urteil erwartet. Und mein Mandant will nun mit der Sache abschließen und deshalb nicht in Revision gehen." Anders reagierte der Anwalt von Andreas. Er warf der Kammer "schwere Verfahrensfehler" vor und kündigte Revision gegen das Urteil an. "Wir sind der Meinung, dass die Kammer zu Unrecht meine Anträge abgewiesen hat. Insbesondere hatten wir beantragt, einen Jugendpsychiater mit der Begutachtung zu beauftragen. Wir werden das Urteil deshalb anfechten", sagte Hans Steffan.

Worte, die Arno Mild nicht interessieren. Der 24-Jährige war vier Jahre lang mit Annemarie Häussler liiert. Nun sagte er stern.de: "Das Urteil ist mir völlig egal." Er habe sich etwas anderes erhofft. "Der Prozess hat die Frage nach dem Warum nicht beantwortet. Aber das hätte ich mir gewünscht." Andreas und Frederik kannte er gut, oft hat er die beiden im Hause der Häusslers getroffen. "Doch ich habe mit den beiden abgeschlossen. Sie sind mir egal, ich habe keine Gefühle für sie."

Tiefe Gefühle empfinde er aber immer noch für seine tote Freundin, berichtete Arno Mild. Am Jahrestag, dem 9. April, werde er zu ihrem Grab gehen und ihr von dem Urteil gegen ihren Bruder berichten.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.