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Morde an Mohamed und Elias: Die grausamen Taten des Silvio S.

Spontan gestand der mutmaßliche Mörder des kleinen Mohamed bereits bei seiner Festnahme die Tat. Bei den Vernehmungen erfuhren die Kriminalpolizisten dann Details - und hörten noch ein weiteres Geständnis.

Elias und Mohamed Opfer von Sexualtäter

Die Polizei fand auf einem Schrebergartengrundstück ein vergrabenes Paket. Darin könne die Leiche von Elias liegen.

Der fürchterliche Verdacht bestätigt sich schnell. Schon nach der eines Verdächtigen im Fall Mohamed am Donnerstag fragten sich Polizei und viele Bürger: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des kleinen Flüchtlingsjungen in Berlin und des sechsjährigen Elias in Potsdam? Am Freitag dann die Nachricht von Polizei und Staatsanwaltschaft: Der mutmaßliche Mörder von Mohamed hat in der Nacht gestanden, auch Elias umgebracht zu haben.


Am Nachmittag fand die Polizei auf einem Schrebergartengrundstück, nahe Luckenwalde, das der Mann seit einem Jahr gepachtet hat, ein vergrabenes größeres Paket. Darin könne die Leiche von Elias liegen, sagte ein führender Ermittler. "Erste Untersuchungen am späten Nachmittag ergaben, dass sich in dem Paket ein menschlicher Leichnam befindet", teilte die Polizei mit. "Ob es sich dabei um die Leiche des vermissten Elias handelt, kann erst nach Beendigung der gerichtsmedizinischen Untersuchungen gesichert gesagt werden", hieß es weiter.Der Verdächtige, der als Wachmann in Brandenburg arbeitete, hatte der Polizei eine Stelle skizziert, wo der tote Elias vergraben sei.

Mit Gürtel erdrosselt

Weitere Details sorgten für Erschütterung und Trauer. Der mutmaßliche Mörder sagte aus, er habe nur Kleidung und Plüschtiere für die vor der Anlaufstelle in Berlin-Moabit spenden wollen. Er sei dann in dem Menschengewimmel von Hunderten Flüchtlingen auf Mohamed aufmerksam geworden und habe ihm ein Plüschtier gegeben. Der Junge sei dann hinter ihm hergelaufen und mit zum Auto gekommen.

Mohamed wurde nach Aussage des Täters noch am Abend und in der Nacht der Entführung vom 1. Oktober im Obergeschoss des Elternhauses in Kaltenborn in Südbrandenburg sexuell missbraucht. Dann habe das Kind "gequengelt und gemault" und weg gewollt, zitierte Oberstaatsanwalt Michael von Hagen die Aussagen des Täters. Aus Angst, entdeckt zu werden, habe der Mann den Jungen dann mit einem Gürtel erdrosselt.

Die Leiche deponierte er zunächst auf dem Dachboden in einer Wanne. Zwei bis drei Säcke Katzenstreu kippte er über den toten Körper, um Leichengeruch zu vermeiden.

Kein Zusammenhang zu Fall Inga

Zu der Entführung und dem Mord an Elias äußerte sich der 32-Jährige nach Angaben der Staatsanwälte bisher noch nicht so ausführlich. Er deutete demnach nur an, dass er auch Elias sehr schnell nach der Entführung getötet habe.

Einen Zusammenhang mit einem dritten Fall sahen die verschiedenen Kriminalpolizeibehörden zunächst nicht: Am 2. Mai verschwand die fünfjährige Inga in einem Wald bei Stendal in Sachsen-Anhalt. Bisher gebe es keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Entführungen der beiden Jungen, so die Ermittler.

"Immer ein ruhiger und freundlicher Mensch"

In Kaltenborn, einem Ortsteil von Niedergörsdorf, dem Wohnort des Täters, zeigten sich Bewohner erschüttert. "Ich kann das gar nicht fassen", sagt eine 22-Jährige, die direkt gegenüber des mutmaßlichen Doppelmörders wohnt. "Das war immer ein ruhiger und freundlicher Mensch." Niemals wäre sie darauf gekommen, dass ihr Nachbar der gesuchte Kindermörder sein könnte.

Ein scheuer Einzelgänger sei der 32-Jährige gewesen, sagt die Nachbarin. "Er hat immer nachts gearbeitet und hatte, soweit ich weiß, kaum soziale Kontakte. Er war meist zu Hause." Abends sei er häufig mit seinen Eltern zum Essen gegangen. "Auf mich wirkten die immer wie eine harmonische Familie", erinnert sie sich. 

Chaotischen Zustände mitschuldig?

In Potsdam-Schlaatz, wo die Familie von Elias wohnte, sagt eine 30-jährige Nachbarin: "Ich bin sehr betroffen. Ich habe selbst einen Jungen im gleichen Alter wie Elias. Im vergangenen Jahr habe ich ihn auf einem Volksfest mal fünf Minuten aus den Augen verloren und das war absoluter Horror."

In begann unterdessen eine Diskussion darüber, ob die monatelangen chaotischen Zustände vor der Anlaufstelle für Flüchtlinge im Stadtteil Moabit ihren Teil zum Tod von Mohamed beitrugen.

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) sah die Landesregierung in der Verantwortung: "Der Berliner Senat trägt mit seiner unendlich verlangsamten Reaktion auf die seit Monaten bemängelten chaotischen Verhältnisse vor dem Lageso eine Mitschuld daran, dass dieses grausame Verbrechen begangen werden konnte." Zuvor hatte die Grünen-Landesvorsitzende Bettina Jarasch dem "Tagesspiegel" gesagt, die chaotischen Zustände am Lageso hätten dem Täter eine Entführung leicht gemacht.

Andreas Rabenstein/Klaus Peters/DPA / DPA