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Entführung im Jemen: Vermisste Familie stammt aus Sachsen

Im Jemen haben die Behörden die Suche nach den verschleppten Deutschen und einem Briten intensiviert. Über ihr Schicksal herrscht weiter Unklarheit. Bei den Bundesbürgern handelt es sich um ein Ehepaar mit drei kleinen Kindern aus einem Ort bei Bautzen.

Die noch im Jemen vermisste deutsche Familie stammt aus dem Kreis Bautzen in Sachsen. Der Familienvater komme aus dem Ortsteil Lauske, sagte der Bürgermeister der Kleinstadt Weißenberg am Mittwoch und bestätigte Medienberichte. Die Eltern des Mannes wohnen nach wie vor in dem Ort. Auch seine Frau soll aus dem Landkreis Bautzen stammen.

Das Ehepaar hat drei kleine Kinder zwischen knapp einem und vier Jahren, wie die "Bild"-Zeitung und der MDR übereinstimmend berichten. Der Mann soll im Jemen als Haustechniker in einem Krankenhaus gearbeitet haben, seine Frau als Krankenschwester.

Das Auswärtige Amt wollte diese Informationen weder bestätigen noch dementieren.

Bevor das Paar in den Jemen ging, lebte es den Berichten zufolge zeitweise auch im Taunus. Wie es hieß, waren Johannes und Sabine H. (beide 36 Jahre alt) seit sechs Jahren in dem arabischen Land. Das Paar habe jedoch geplant, zur Einschulung der ältesten Tochter in zwei Jahren nach Deutschland zurückzukehren. Der Mann soll seinen Zivildienst im Gaza-Streifen absolviert haben und arabisch sprechen. Zur Geburt ihrer Kinder Lydia (4), Anna (3) und Simon (knapp 1) seien sie jeweils für einige Wochen nach Deutschland gekommen.

Der Mann war nach den Berichten vor wenigen Wochen zur Goldenen Hochzeit der Eltern das letzte Mal in seiner Heimat. Seine Eltern leben nach Informationen des MDR ebenfalls in der Nähe von Bautzen. Der Sender berief sich auf Angaben von Nachbarn.

Eine getötete Deutsche identifiziert

Die Familie war am Sonntag im Norden des Jemen verschleppt worden. Von ihr und einem Briten fehlt bislang jede Spur. "Die Hintergründe sind völlig im Dunkeln", betonte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Der Krisenstab bemühe sich in Zusammenarbeit mit den jemenitischen Behörden weiter um intensive Aufklärung.

Die drei anderen entführten Ausländer waren tot aufgefunden worden, darunter zwei Frauen aus Niedersachsen. Eine der beiden ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes nun eindeutig identifiziert worden. Bei der zweiten gefundenen Leiche dauere die Identifizierung noch an. Es sei aber wahrscheinlich, dass es sich dabei um die andere vermisste deutsche Bibelschülerin handle.

Jemen weitet Suchgebiet aus

Die jemenitischen Sicherheitskräfte haben ihre Suche nach den Geiseln unterdessen ausgeweitet. Das Innenministerium in Sanaa teilte am Mittwoch mit, mittlerweile werde nicht nur die nordwestliche Provinz Saada durchkämmt. Auch in den Nachbarprovinzen Al-Jawf, Amran und Hadscha werde nun nach der deutschen Familie und dem britischen Ingenieur gesucht.

An der Suche in Saada beteiligten sich auch viele Zivilisten als Freiwillige, hieß es. "Kein Ort bietet den Entführern und Mördern Sicherheit, selbst wenn sie sich tief unter der Erde verstecken sollten", erklärte das Ministerium. Augenzeugen in Saada sagten, die Sicherheitskräfte hätten zusätzlich mehrere Hundertschaften der Polizei und Soldaten mit Hubschraubern in die Provinz verlegt. Am Dienstagabend war die Belohnung für Hinweise auf das Versteck der Geiselnehmer auf 250.000 US-Dollar (181.000 Euro) erhöht worden. Auch ein deutsches Ermittlerteam soll im Jemen bei der Suche helfen.

AP/DPA / AP / DPA