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Entführung im US-Bundesstaat Ohio: Geistig Behinderte zwei Jahre lang als Sklavin gehalten

Der Fall erinnert an die Entführung von Cleveland: In Ohio sollen drei Verdächtige eine geistig behinderte Mutter als Sklavin gehalten haben. Sie wurde mit Kampfhunden und Schlangen eingeschüchtert.

Eine geistig behinderte Mutter und ihr Kind sind nach Angaben der US-Behörden über zwei Jahre lang im US-Bundesstaat Ohio praktisch wie Sklaven gehalten worden. Ihre drei Peiniger hätten sie auf brutalste Weise gequält und zu Arbeiten gezwungen. Teilweise wurden Kampfhunde und Würgeschlangen eingesetzt, um die Gefangenen in Schach zu halten. Ein Staatsanwalt sprach von "moderner Sklaverei". Die drei Peiniger - zwei Männer und eine Frau - seien festgenommen worden.

Die genauen Hintergründe des Verbrechens, vor allem die Motive der mutmaßlichen Täter, lagen zunächst im Dunklen. "Die Opfer waren unmenschlichen Bedingungen unterworfen", sagte FBI-Fahnder Eric Smith. Sie hätten auf bloßem Zementboden schlafen müssen, ihnen sei Essen verweigert worden, sie seien geschlagen worden, teilweise hätten sie nicht zur Toilette gehen dürfen. "Sie wurden mit Waffen bedroht, mit Pitbull-Kampfhunden und mit Pythonschlangen."

Peiniger setzen Frau mit Video unter Druck

Die Täter hätten ihre Opfer in einem Wohnhaus in Ashland nahe der Stadt Cleveland gefangen gehalten. Sie hätten die geistig behinderte Frau gezwungen, für sie Haus- und Gartenarbeiten zu erledigen sowie Besorgungen zu machen. Sie habe zudem die diversen Tiere füttern müssen, darunter Gift- und Würgeschlangen und einen Leguan.

Nach Berichten der Polizei sei die Mutter vor laufender Videokamera gezwungen worden, ihr Kind zu schlagen. Dann sei ihr angedroht worden, das Video der Polizei zu übergeben, falls sie fliehen würde.

Die Polizei sei dem Verbrechen nur durch einen Zufall auf die Spur gekommen, berichteten US-Medien. Polizisten hätten die Frau bereits Ende 2012 bei einem Ladendiebstahl erwischt. Sie habe darum gebeten, ins Gefängnis zu kommen. Zur Begründung habe sie gesagt, dass die Menschen, bei denen sie lebe, gemein zu ihr seien. Dies habe die Behörden stutzig gemacht und zu weiteren Nachforschungen bewegt.

"Moderne Sklaverei existiert auch bei uns"

Am Dienstag hätten die Behörden schließlich das Haus gestürmt. "Wir werden wieder einmal daran erinnert, dass moderne Sklaverei auch bei uns existiert", zitiert der TV-Sender CNN Staatsanwalt Steven Dettelbach. Dem Opfer und ihrer Tochter gehe es gut, teilten die Behörden mit. Den Verdächtigen droht eine Anklage wegen Zwangsarbeit. Die Familien der Verdächtigen wiesen die Anschuldigungen als "lächerlich" zurück.

Das Verbrechen weckt böse Erinnerungen in den USA: Erst im Mai hatte die Polizei in Cleveland drei Frauen befreit, die rund zehn Jahre lang festgehalten worden waren. Dem 52-jährige mutmaßlichen Peiniger Ariel Castro wird vorgeworfen, eine der Entführten vergewaltigt, geschwängert und sie dann derart misshandelt zu haben, dass sie das Kind verlor. Die Frauen sind heute 32, 27 und 23 Jahre alt.

tkr/DPA / DPA
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