Entführung in Afghanistan Deutscher könnte bald frei sein


Nach der Entführung eines Deutschen in Afghanistan mehren sich die Berichte, die einen kriminellen und keinen politischen Hintergrund der Verschleppung vermuten lassen. Laut afghanischen Quellen steht die Freilassung des Verschleppten unmittelbar bevor.

Im Südwesten Afghanistans ist ein Deutscher entführt worden. Das Auswärtige Amt machte den Vorfall erst jetzt bekannt, obwohl der Mann nach Worten von Ministeriumssprecher Martin Jäger bereits seit Donnerstag vergangener Woche vermisst wird. Seit Samstag bemüht sich ein Krisenstab im Auswärtigen Amt um die Freilassung des Verschleppten. Auch die deutsche Botschaft in Kabul und andere Stellen seien eingeschaltet.

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge soll es sich bei dem Opfer um einen Bauunternehmer handeln, der an einem Straßenbauprojekt einer US-Hilfsorganisation arbeitete. Laut dem Bericht wird auch dem Verdacht nachgegangen, es könne sich um eine inszenierte Entführung handeln. Der Mann solle sich in finanziellen und rechtlichen Schwierigkeiten befunden haben.

Jung sieht keine Auswirkung auf Bundeswehr-Einsatz

Der Deutsche wurde nach afghanischen Angaben im Bezirk Delaram entführt. Bezirkschef Mohammed Schafik sagte der Nachrichtenagentur AP, die Entführer hätten eine bedingungslose Freilassung für Donnerstag in Aussicht gestellt. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte am Abend nach einer Fraktionssitzung, er hoffe, dass der Entführte unversehrt in die Hände deutscher Soldaten übergeben werde. Der Mann ist nach Angaben von Verteidigungsminister Franz Josef Jung Mitarbeiter eines Unternehmens. Die Sicherheitslage für die im Norden des Landes stationierten deutschen Soldaten verändere sich durch die Verschleppung nicht, sagte Jung im ZDF: "Wir haben unsere Schwerpunkte im Norden Afghanistans und tun alles, damit im Hinblick auf unsere Soldaten ein optimaler Schutz gewährleistet ist."

Das Auswärtige Amt teilte nur mit, dass der Entführte nicht im Auftrag der Bundesregierung und auch nicht für eine deutsche Hilfsorganisation in Afghanistan sei. Es handele sich auch nicht um einen Journalisten. Der Gouverneur der südwestlichen Provinz Nimros, Ghulam Dastgir Asad, sagte Reuters, die Entführung habe sich in der Nachbarprovinz Provinz Farah ereignet.

Entführer sind angeblich keine Taliban

Zu den Hintergründen der Entführung machte die Bundesregierung keine weiteren Angaben. Laut einem Bericht von "Spiegel Online" ist die Tat offenbar nicht politisch motiviert. Die Entführer seien klar dem kriminellen Milieu und nicht den islamistischen Taliban zuzuordnen. Hintergrund könnte "Spiegel Online" zufolge Streit im Zusammenhang mit Arbeiten einer privaten Firma sein. Es werde aber befürchtet, dass die Kidnapper ihr Opfer an die Taliban weiterverkaufen könnten.

Im Oktober 2006 waren zwei deutsche Journalisten in Afghanistan ermordet worden. Diese Tat ereignete sich im als vergleichsweise ruhig geltenden Norden des Landes, in dem auch deutsche Soldaten als Teil der internationalen Stabilisierungstruppe Isaf stationiert sind. Im Süden des Landes toben heftige Kämpfe zwischen Soldaten dem US-geführten Anti-Terror-Einsatz "Operation Enduring Freedom" und den Taliban. Entführungen von Einheimischen sind in Afghanistan keine Seltenheit, dagegen sind gezielte Attacken auf ausländische Zivilisten eher selten. Im April hatten die Taliban zwei französische Aufbauhelfer und drei ihrer afghanischen Begleiter im Südwesten des Landes entführt, sie aber später unverletzt freigelassen.

Reuters/AP AP Reuters

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