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Entführung in Heidenheim Krimi geht weiter: Doch keine heiße Spur?


Dramatische Wendung im Fall der entführten Maria Bögerl: Die Polizei nahm einen verdächtigen Mann fest und musste ihn kurz darauf wieder laufen lassen. Die Bankiersfrau bleibt verschwunden.
Von Manuela Pfohl

Es ist ein wahrer Krimi: Eben noch sah es so aus, als ob es im Heidenheimer Entführungsdrama eine heiße Spur gibt. Die Polizei meldete, dass sie einen 44-jährigen Tatverdächtigen festnehmen konnte. Doch die Hoffnung, dass sich für die entführte Maria Bögerl nun alles zum Guten wendet, hielt sich nicht lang. Wenig später mussten die Ermittler den verdächtigen Mann wieder laufen lassen. Von der Bankiersfrau selbst gibt es noch immer kein Lebenszeichen. Die Polizei in Heidenheim schätzt die Lage der 54 Jahre alten Maria Bögerl als zunehmend heikel ein. "Entweder ist sie seit fünf Tagen in der Gewalt ihrer Entführer oder wurde zurückgelassen. Und da kein Kontakt zu den Entführern besteht, müssen wir davon ausgehen, dass sich die Frau in allerhöchster lebensbedrohlicher Lage befindet. Wir fordern die Entführer auf, sich zu melden", sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die Lage für die Frau "wird von Tag zu Tag immer prekärer".

Und so sucht auch am Sonntag wieder ein Großaufgebot an Polizisten unterstützt von Suchhunden und einem Hubschrauber nach der Frau. Auch Wärmebildkameras werden dabei eingesetzt. Selbst wenn die Gesuchte nicht mehr am Leben sein sollte, würde ihr Körper mit einer Wärmebildkamera erkannt werden können.

Zwar sind bislang mehr als 250 Hinweise aus der Bevölkerung bei den Ermittlern eingegangen. Doch noch immer gibt es keine heiße Spur, wo die Frau sich befinden könnte. Maria Bögerls Familie hat deshalb eine Belohnung von 50.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Freilassung der Mutter zweier Kinder führen.

Ein rätselhafter Fall

Alles in allem ist der Fall Bögerl mehr als rätselhaft. Nach den vorliegenden Erkenntnissen der Polizei war die Ehefrau des Vorstandschefs der Kreissparkasse Heidenheim am Mittwochvormittag aus dem Haus der Familie entführt worden. Der Ehemann habe am Vormittag einen Erpresseranruf mit einer Geldforderung erhalten. Bei dieser Gelegenheit habe Maria Bögerl ihren Mann kurz sprechen können und berichtet, sie sei in Lebensgefahr. Die geforderte Summe in Höhe von 300 000 Euro sei wie gefordert in einem Waldstück bei der A7 hinterlegt worden. Allerdings habe niemand das Geld abgeholt. Darauf ging Thomas Bögerl zur Polizei.

Seitdem gibt es viele offene Fragen und etliche Merkwürdigkeiten. Warum benutzten die Kidnapper den Wagen ihres Opfers zur Entführung? Warum holten sie das Geld nicht ab? Warum melden sie sich nicht? Sind die Entführer unberechenbare und deshalb gefährliche "Amateure"? Oder ist die ganze Entführung nur eine Inszenierung?

Polizei weist Spekulationen zurück

Entsprechende Spekulationen weist die Polizei zurück: "Eine Vortäuschung können wir ausschließen", betonte Polizeisprecher Horst Baur.

Auch für den Kriminalpsychologen Rudolf Egg ist eine solche Entwicklung nicht ganz ungewöhnlich. Er sagt, die meisten Entführer scheitern bei der Geldübergabe. Nur in etwa jedem 50. Fall wechselt tatsächlich das geforderte Lösegeld den Besitzer. Doch Egg sagt auch, dass in der Mehrzahl aller Entführungen die Täter aus dem unmittelbaren Umfeld des Opfers stammen.

Insgesamt erstreckt sich die seit Donnerstag laufende Suchaktion auf ein etwa 13 mal 15 Kilometer großes Gebiet, also rund 200 Quadratkilometer. Am Freitag war dabei das Mobiltelefon der Frau gefunden worden. Besucher erkannten außerdem den bislang verschwundenen A-Klasse-Mercedes im Hof des rund 20 Kilometer von ihrem Wohnort entfernten Klosters Neresheim. Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung lagen am Sonntag noch nicht vor, wie Baur sagte.

90 Prozent aller Entführungen werden aufgeklärt

Kriminalpsychologe Egg macht aber sowohl den Ermittlern als auch der Familie Mut. Nicht nur, dass 90 Prozent aller Entführungsfälle aufgeklärt würden. Auch die Überlebenschancen für Entführungsopfer seien gut: "Etwa 90 Prozent aller entführten Personen kommen lebend wieder frei." Dass die Entführer in Heidenheim sich nach der gescheiterten Geldübergabe bislang nicht meldeten, sei nachvollziehbar: "Sie haben einfach momentan nichts zu sagen und brauchen Zeit."

Zu dem weiteren Vorgehen der Ermittler, für den Fall, dass die Suche auch am Sonntag nicht erfolgreich sein sollte, wollte sich der Polizeisprecher nicht äußern. "Wir wollen erst mal den heutigen Tag hinter uns bringen."

mit DPA/DPAD

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