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"Grausame und unmenschliche Tat": Millionärsgattin im Oktober entführt – jetzt geht die Polizei an die Öffentlichkeit

Seit mehr als zehn Wochen fehlt von der 68-jährigen Anne-Elisabeth Falkevik jede Spur. Die Polizei geht von einer Entführung aus – die Art der Lösegeldforderung ist neu für die Ermittler.

Entführungsfall in Norwegen: Anne-Elisabeth Falkevik 

Entführungsfall in Norwegen: Seit Oktober gibt es kein Lebenszeichen von der 68-Jährigen Anne-Elisabeth Falkevik 

DPA

Die Frau eines der reichsten Männer Norwegens ist offenbar entführt worden. Die 68-Jährige sei am 31. Oktober aus dem Familienhaus in der Nähe von Oslo verschwunden, sagte ein Sprecher der Polizei auf einer Pressekonferenz. Seitdem gebe es keine Lebenszeichen von Anne-Elisabeth Falkevik Hagen, aber auch keine Anzeichen dafür, dass sie tot sei. Die Polizei habe den Fall von Anfang an als Freiheitsberaubung betrachtet. Es sei Lösegeld in einer Kryptowährung gefordert worden. Verdächtige gebe es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Der Anwalt der Familie sprach später ebenfalls davon, dass es sich um eine Entführung handele.

Der Kontakt zu dem und den mutmaßlichen Entführern sei bislang dürftig und nicht mündlich gewesen, sagte Polizeisprecher Tommy Brøske. Stattdessen sei über eine digitale Plattform kommuniziert worden. Er wollte nicht ausschließen, dass die Frau möglicherweise außer Landes geschafft worden sei. Neben anderen Behörden sei auch Interpol eingeschaltet worden.

Eine der reichsten Familien Norwegens

Zuerst hatte die norwegische Zeitung "Aftenposten" über den Fall berichtet. Sie schrieb, die Polizei sei der Sache bislang im Geheimen nachgegangen. Nach Angaben der Zeitung und auch des Blattes "Verdens Gang" beläuft sich die Lösegeldforderung auf neun Millionen Euro. Das wollte Brøske nicht kommentieren. Die Polizei rate der Familie, auf keine Forderungen einzugehen.

Anne-Elisabeth Falkevik Hagen ist die Ehefrau von Tom Hagen, einem Investor, der zu den 200 reichsten Menschen des Landes zählt. Er soll einem Medienbericht zufolge im Laufe von elf Jahren mit Stromverkauf und Immobilien eine Milliarde norwegische Kronen (rund 102 Millionen Euro) verdient haben, davon allein 174 Millionen Kronen (17,8 Millionen Euro) im Jahr 2017. Sein Nettovermögen soll sich auf 1,7 Milliarden Kronen belaufen.

Entführung ist "grausam und unmenschlich"

Der Anwalt der Familie, Svein Holden, berichtete von der schweren Zeit der Angehörigen. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Familie die Entführung als eine grausame und unmenschliche Tat erlebt", sagte er auf einer eigenen Pressekonferenz. "Für die Familie war und ist das unglaublich fordernd und ermüdend, sich über längere Zeit in solch einer Situation zu befinden."

Die Familie sei dem Rat der Polizei gefolgt und habe deshalb bislang kein Lösegeld gezahlt, sagte Holden. Die Angehörigen wünschten sich, mit den Tätern in Kontakt zu kommen und eine Bestätigung dafür zu erhalten, dass die Frau am Leben sei und es ihr gut gehe.

Der Fall wird in Norwegen als einmalig betrachtet. Es sind bislang keine anderen Entführungsfälle in dem skandinavischen Land bekannt, bei denen Lösegeld in Kryptowährung gefordert worden ist. International gab es solche Fälle dagegen schon häufiger.

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Quellen: "Aftenposten" (norwegisch), Polizei-Mitteilung (norwegisch), Verdens Gang (norwegisch)

wue / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?