Entführungsfall Maria Bögerl Hat die Polizei die Frauenleiche übersehen?


Wieso wurde die Tote erst jetzt entdeckt? Der Leichenfund bei Heidenheim lässt die Polizei rätseln. Schließlich hatte sie bei der Suche nach Maria Bögerl genau dieses Gebiet bereits durchkämmt.

Nach dem Fund einer Frauenleiche in der Nähe von Heidenheim rätselt die Polizei darüber, ob die Suchmannschaften die Tote in den vergangenen Wochen übersehen haben. Ein Spaziergänger mit Hund hatte den entstellten Körper am Donnerstagabend in dem Gebiet entdeckt, das die Einsatzkräfte an den Tagen nach der Entführung der Bankiersfrau Maria Bögerl durchkämmt hatten. Die Tote lag unter einem Reisighaufen. In der Nähe gibt es laut Polizei zahlreiche solcher kleinen Holzhaufen. Ob die Leiche daher möglicherweise übersehen wurde, sei aber reine Spekulation.

Möglicherweise seien an der Stelle nur Bereitschaftspolizisten ohne Suchhunde eingesetzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Es sei auch nicht auszuschließen, dass die Leiche erst später an dem Waldrand zwischen den Ortschaften Nietheim und Niesitz abgelegt wurde.

In der Nähe der Fundstelle, rund zehn Kilometer vom Wohnhaus der Familie Bögerl entfernt, war die Polizei zuvor auch auf das Handy der 54-jährigen Vermissten gestoßen. Nicht weit entfernt war zudem die Übergabe von 300.000 Euro Lösegeld an den oder die Entführer gescheitert.

Der nun entdeckte Leichnam wird derzeit obduziert. Am Nachmittag will die Polizei bekanntgegeben, ob es sich bei der Toten tatsächlich um Maria Bögerl handelt.

Letztes Lebenszeichen von Mitte Mai

Bögerl war am 12. Mai aus dem Haus der Familie in ihrem Auto verschleppt worden. Wenig später rief ein Erpresser den Ehemann an und forderte Geld. Bei dieser Gelegenheit konnte die 54-Jährige ihren Mann kurz sprechen und berichtete, sie sei in Lebensgefahr. Das geforderte Lösegeld in Höhe von 300.000 Euro wurde neben der Autobahn 7 hinterlegt, aber nicht abgeholt. Seitdem ist der Kontakt zu dem Entführer abgebrochen.

Nach der Entführung hatten die Ermittler eine 80-köpfige Sonderkommission gebildet. Dutzende Beamte durchsuchten vergebens die nähere Umgebung des Wohnortes sowie die Stellen, an denen das Mobiltelefon und das Auto der Vermissten gefunden worden waren. Der Wagen stand im Hof des nicht weit entfernten Klosters Neresheim.

Phantombild brachte Hunderte neue Hinweise

Auch ein dramatischer Appell der Familie in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" blieb ohne Erfolg. Neue Hoffnung hatten die Ermittler vor wenigen Tagen auf ein Phantombild eines möglichen Zeugen gesetzt. Der 30 bis 40 Jahre alte Unbekannte war am Tag der Entführung in Nietheim nördlich von Heidenheim gesehen worden. Der Mann soll als Anhalter unterwegs gewesen sein.

Mehr als 300 Hinweise zur möglichen Identität des Mannes hatte die Polizei 24 Stunden nach Veröffentlichung des Phantombildes erhalten. Eine entscheidende Spur war jedoch nicht darunter. Er ist der zweite Mann, nach dem als Zeuge gesucht wurde. Ein Hausierer meldete sich zwar, konnte aber nicht weiter helfen. Insgesamt bekam die Sonderkommission gut 1800 Hinweise aus der Bevölkerung, aus denen mehr als 1000 Spuren hervorgingen.

Eine Belohnung von 100.000 Euro wurde ausgesetzt. Der Spaziergänger kann sich aber keine Hoffnung auf das Geld machen. Es wurde nur für Hinweise in Aussicht gestellt, die zur Freilassung der Entführten führen.

mad/DPA DPA

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