HOME

Er wollte nur zur Freundin: Horrortrip nach Hildesheim

Schlimmer Tag für einen Kameruner aus Belgien: Erst machte seine Freundin in Hamburg Schluss, und dann wurde er in Hildesheim in einem Kiosk gefangen gehalten - weil er für ein Dieb gehalten wurde.

Dunkle Wolken hängen über der Autobahn 7 Richtung Harz bei Hildesheim. Ein Kameruner geriet eher zufällig in diese Gegend - und bereute es.

Dunkle Wolken hängen über der Autobahn 7 Richtung Harz bei Hildesheim. Ein Kameruner geriet eher zufällig in diese Gegend - und bereute es.

Den Montag dieser Woche wird ein junger Kameruner wohl so schnell nicht vergessen. Vielleicht war es der schlimmste Wochenbeginn seines Lebens. Was er durchmachte, ist in einer ausführlichen Meldung der Polizei Hildesheim zu lesen.

Eigentlich bestand der Tag aus lauter Zufällen, doch diese reihten sich zu einem einzigen Horrortrip aneinander. Alles begann laut Polizei damit, dass der Mann irgendwo weit entfernt von Hildesheim in sein Auto stieg. Er wollte einfach nur seine Freundin besuchen.

Der Tag endete damit, dass er sich verfuhr, aus Versehen in Hildesheim landete und dort in einem Kiosk stundenlang gefangen gehalten wurde - der Kioskbesitzer hielt den Afrikaner "aufgrund seiner Hautfarbe" für einen Dieb und entschloss sich zur Selbstjustiz.

Hier die Details der Geschichte: Laut Polizei ist der junge Kameruner 28 Jahre alt, vollkommen unbescholten, und er wohnt in Belgien. Seine Freundin aber lebt in Hamburg. Am Montagmorgen habe sich der Mann mit seinem Auto von Belgien in Richtung Hamburg aufgemacht, um zu seiner Freundin zu fahren, fand die Polizei heraus. Doch bis in die Hansestadt sei er gar nicht gekommen - offenbar habe es im Laufe des Tages eine Aussprache des Paares gegeben, steht in der Pressemitteilung der Polizei. Fazit: Die Beziehung war beendet, bis nach Hamburg brauchte der Mann also nicht mehr zu fahren.

Umkehren - und zurück nach Belgien

Also ging es wieder zurück in Richtung Belgien. Im Polizeibericht ist die Reise des Mannes in schönstem Beamtendeutsch niedergeschrieben. "Offenbar noch unter dem Eindruck der privaten Geschehnisse stehend" habe er die falsche Autobahnroute genutzt - und sei schließlich zufällig in Hildesheim gelandet.

Ein böser Zufall, wie sich herausstellen sollte. Erst verlief der Aufenthalt in der niedersächsischen Stadt noch ohne besondere Vorkommnisse. Der junge Mann habe er sich die Zeit in einer Spielothek vertrieben. Gegen 23 Uhr aber habe er Hunger bekommen und sich entschlossen, in einem Kiosk Cola und Schokolade zu kaufen. "Dieser Entschluss wurde ihm jedoch zum Verhängnis", folgert die Polizei messerscharf.

Denn was der junge Afrikaner nicht ahnen konnte: Der Kioskbesitzer, laut Polizeibericht ein 44-jähriger Deutschiraker, hielt den Kameruner aus Belgien für ein Mitglied einer Diebesbande, die wiederholt in seinem Geschäft auf Beutetour war.

Der Kunde wird nicht bedient, sondern gefesselt

Der Kioskbesitzer und ein 23-jähriger irakischer Bekannter überwältigten den Kunden, fesselten ihn und schleppten ihn in ein Hinterzimmer. Stundenlang hielten sie ihn gefangen und verlangten von ihm, seine vermeintlichen Komplizen aus der Diebesbande anzurufen und diese aufzufordern, mitsamt einer nicht näher beschriebenen Beute zum Kiosk zu kommen.

Dem Mann gelang es mit einer Finte, sich aus seiner Gefangenschaft zu befreien. Er rief nicht die Mitglieder der Diebesbande an, die er ja gar nicht kannte, sondern wählte die Handynummer eines Landsmannes, der in Hamburg wohnt.

Französisch als Geheimsprache

Glück für das gefangen gehaltene Opfer: Der Kioskbetreiber und sein Bekannter konnten das Telefonat nicht verstehen, weil es auf Französisch geführt wurde. Der in Hamburg wohnende Landsmann alarmierte die Polizei in Hildesheim - die Beamten machten den "Tatortkiosk" wenig später ausfindig.

Inzwischen war es kurz vor 3 Uhr morgens. Der 28-Jährige, der laut Polizei mehr als drei Stunden gefangen gehalten worden war, wurde schnell befreit. Gegen den Kioskbetreiber und seinen Bekannten wird jetzt wegen Freiheitsberaubung und Nötigung ermittelt. In der Mitteilung der Polizei ist außerdem von einem "gewissen Fall von Selbstjustiz" die Rede.

Nicht bekannt ist, ob die Ex-Freundin des Kameruners etwas von seinem Horror-Montag in Hildesheim mitbekommen hat - und ob er vielleicht bald wieder nach Hamburg fahren will.

Annette Berger