Erfolgreiche Jagd auf den Heckenschützen "Malmö hat gewonnen"


Malmö kann hoffen: Die Kripo hat einen 38-Jährigen als mutmaßlichen Heckenschützen festgenommen. Seit vergangenem Herbst schoss der Täter abends und nachts auf dunkelhäutige Zuwanderer. Einen Mord und sieben Mordversuche werfen ihm die Fahnder vor.

Nach einem Jahr Angst kam am Wochenende für Malmös Bürger die lange ersehnte gute Nachricht. Bei der Jagd auf einen heimtückischen Heckenschützen gelang der schwedischen Kripo der möglicherweise entscheidende Schlag. "Wir halten den festgenommenen 38-Jährigen bei einem Mord und sieben Mordversuchen für dringend tatverdächtig" sagte Oberstaatsanwältin Solveig Wollstad am Sonntag.

"Malmö hat gewonnen", sagte denn auch ein Schneider mit Migrationshintergrund postwendend, als ihm heimische Journalisten die Nachricht von der Festnahme überbrachten. Er war das letzte von alles in allem 16 Opfern seit vergangenem Herbst, als der Attentäter, wie immer im Dunkeln, von draußen in seine Werkstatt schoss. Aber er zielte schlecht, der Schneider konnte den Schützen verfolgen und der Polizei nach einem Handgemenge die vielleicht entscheidende DNA-Spur samt einer Beschreibung liefern.

13 Monate vorher hatte eine 20-jährige Schwedin weniger Glück. Sie starb in der Nacht des 10. Oktober in ihrem Auto, als der Heckenschütze mit seiner großkalibrigen Waffe schoss. Die junge Frau war das einzige hellhäutige Opfer bei allen 15 Anschlägen mit derselben Waffe. Aber, so meinen die Fahnder, dieser galt wohl vor allem dem dunkelhäutigen Begleiter, der schwer verletzt überlebte.

Immer wieder schlug der rassistische Attentäter an Bushaltestellen zu und schoss von hinten auf Wartende. Angst und Schrecken breiteten sich in der drittgrößten Stadt Schwedens aus, aber die Polizei hatte lange keine verwertbare Spuren. Niemand konnte den heimtückischen Täter beschreiben, in keinem Fall gab es konkrete Tatmotive.

Bis dann Ende Oktober der erste Augenzeuge berichten konnte. Oberstaatsanwältin Solveig Wollstad gab nur wenige Details zu dem jetzt festgenommenen Verdächtigen preis, der alle Vorwürfe zurückweist. Er habe einen "schwedischen Hintergrund", in seiner Wohnung fand die Polizei zwei Waffen. Und der Inhaber eines Waffenscheins sei in den letzten Jahren mit dem Gesetz nicht in Konflikt geraten - das war's.

Gespannt wartet die schwedische Öffentlichkeit auf weitere Einzelheiten. Spätestens bis Dienstag muss ein Haftrichter über Untersuchungshaft entscheiden, dann wird es mehr Informationen geben. Malmö ist in Schweden die Großstadt mit dem höchsten Anteil an Zuwanderern. Gut 30 Prozent der 265 000 Einwohner sind im Ausland geboren.

Im Malmöer Stadtteil Rosengård, landesweit ein Zuwanderungs-Symbol ähnlich wie Kreuzberg in Berlin, ist Schwedens erfolgreichster Fußballer Zlatan Ibrahimovic aufgewachsen. "Zlatan", wie ihn alle Schweden nur nennen, gilt als Beispiel für gelungene Integration. In Rosengård starb in der Nacht des 10. Oktober 2009 aber auch die 20-jährige Trez West Persson durch die Schüsse des Heckenschützen in ihrem Auto.

Thomas Borchert, DPA DPA

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