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Erfurt: Fast vier Jahre Haft für Kindstötung

Das Landgericht Erfurt hat eine Frau zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, weil sie ihr Baby nach der Geburt in einen Müllcontainer gesteckt hatte. Die 39-Jährige hatte die Tat zugegeben.

Weil sie ihr neugeborenes Kind in eine Plastiktüte gesteckt und in den Müllcontainer geworfen hat, muss eine 39-jährige Frau aus Erfurt für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Mit diesem Urteil entsprach das Landgericht Erfurt dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß.

Die Anklage hatte wegen Totschlags im minder schweren Fall drei Jahre und zehn Monate Haft gefordert, die Verteidigung hatte auf eine Strafe von drei Jahren plädiert. Die alleinstehende Frau hatte die Tat vor Gericht gestanden und erklärt, dass sie völlig überfordert gewesen sei. Sie habe das lebende Mädchen nach der Geburt mit einem Tuch umwickelt und in einen Plastiksack gesteckt. Später habe sie das Baby in der Hausmülltonne abgelegt.

In der Urteilsbegründung beschrieb der Vorsitzende Richter Frieder Liebhart die unter einer schweren Persönlichkeitsstörung leidende arbeitslose Frau als äußerst zurückgezogen und bescheiden. Sie habe die rund 500 Euro Sozialhilfe monatlich gelegentlich mit Reinigungsarbeiten etwas aufgebessert. Außer zu ihren Eltern habe sie keine engeren sozialen Bindungen gehabt; drei Partner-Beziehungen seien gescheitert. Als sie im Februar 2007 schwanger geworden sei, habe es die auf Reinlichkeit und Ordentlichkeit bedachte Frau nicht wahrhaben wollen und die Schwangerschaft verdrängt, sagte Liebhart.

Baby kam im Badezimmer zur Welt

Am 21. Oktober habe sie ohne Hilfe ein gesundes, voll ausgereiftes Mädchen unter erheblichen Schmerzen im Badezimmer zur Welt gebracht. Fassungslos und tief verzweifelt habe sie mit einer Schere die Nabelschnur durchschnitten, das schreiende Kind in ein Handtuch gewickelt und in eine Plastiktüte gesteckt. Nachdem sie sich und das Badezimmer gereinigt habe, habe sie noch einmal in die Tüte geschaut und gemerkt, dass das Neugeborene nicht mehr gelebt habe.

Das Baby war laut gerichtsmedizinischer Obduktion erstickt. "Sie wollte das Kind töten, weil sie sich nicht allein in der Lage sah, für es zu sorgen", sagte der Vorsitzende Richter. Fünf Tage später sei sie wegen der nachwirkenden Schmerzen im Unterleib zu einem Frauenarzt gegangen, der sie in das Klinikum Friedrichroda eingeliefert habe, wo sie den Ärzten die Tat geschildert habe.

Die Kammer sei dem Gutachter gefolgt, der ihr eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit und eine "ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung" attestiert habe, sagte Liebhart. Dass sie vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt und glaubhaft Reue gezeigt habe, sei ebenfalls strafmildernd zu werten. Zudem sei die besondere Situation der Frau in Betracht gezogen worden, so dass auch das Gericht die von der Staatsanwaltschaft geforderte mildere Strafe als angemessen angesehen habe.

AP / AP