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Ermittlungen gegen Islamisten: Von der Sprachschule ins Terrorcamp

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart geht neue Weg im Kampf gegen Islamisten. Sie ermittelt gegen Vermittler von Stipendiaten an einer radikalen Sprachschule in Ägypten. Mehr als 100 Deutsche wurden dorthin vermittelt. Einige landeten später in Terrorcamps - wie ein Mitglied der "Sauerland-Gruppe".

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart will erstmals Islamisten strafrechtlich belangen, die jungen Muslimen radikales Denken nahebringen. Wie der stern in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, ermittelt sie gegen sieben Männer, die mehr als 100 Deutschen Stipendien für einen Sprachkurs am Qortoba-Institut im ägyptischen Alexandria vermittelt haben sollen. Drei von ihnen wurden bereits verhaftet. Die Sprachschule trage mit ihrer Islam-Interpretation zur "weitergehenden Radikalisierung" bei, so die Ermittler. Auch mit Werbern von Terrorcamps würden die Stipendiaten in Kontakt gebracht.

Vergeben wurden die Stipendien nach Recherchen des stern von der saudi-arabischen Stiftung "World Wide Association for Introducing Islam" (WWAII). Diese Stiftung wurde 2005 als Teil der "Muslim World League" gegründet und gilt als Nachfolgeorganisation der "El-Haramain-Stiftung", die 2004 aufgelöst wurde, nach dem sie die EU auf ihre Terrorliste gesetzt hatte. Nach den Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wird die WWAII direkt vom saudischen Königshaus gesponsert.

So dankte der Generalsekretär der Stiftung in einer Mitteilung im Juni 2008 dem saudischen König und dem Kronprinzen für ihre "persönliche Unterstützung" und die Förderung der Programme. Unter den Deutschen, die von den sieben Beschuldigten betreut wurden, war mit Daniel Schneider auch ein Mitglied der derzeit in Deutschland vor Gericht stehenden "Sauerland Gruppe".