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Ermittlungen gegen NPD-Spitzenkandidaten: Die explosiven Eskapaden von "Junker Jörg"

Unangenehmen Fragen muss sich der NPD-Spitzenkandidat Matthias Heyder kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellen. Er wird verdächtigt in einem Internetforum über den Bau von Bomben informiert sowie zu Gewalt gegen Frauen politischer Gegner aufgerufen zu haben. Die NPD bestreitet die Vorwürfe.

NPD-Spitzenkandidat Matthias Heyder ist kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ins Visier der Polizei geraten. In einem Internetforum soll er unter einem Pseudonym über den Bau von Bomben informiert und zu Gewalt gegen Frauen von politischen Gegnern aufgerufen haben. Zudem soll er wiederholt Insiderwissen aus der NPD-Spitze verbreitet haben. "Es ist sehr, sehr naheliegend, dass es sich um Heyder handelt", sagte Innenminister Holger Hövelmann (SPD) am Dienstag in Magdeburg. Die rechtsextreme NPD bestritt die Vorwürfe.

Das Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg seien in den Fall eingeschaltet worden. Als Straftatbestände kämen Volksverhetzung, die Ankündigung von Straftaten und die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit in Betracht, so Hövelmann. Die Blog-Einträge unter dem Namen "Junker Jörg" seien von jemandem vorgenommen worden, der sich selbst als NPD-Spitzenkandidat bezeichnet habe. Der Urheber habe in dem Forum Plakate, Fotos und Videosequenzen mit Heyder eingestellt, sagte Hövelmann.

Die ersten Beiträge von "Junker Jörg" in dem inzwischen verschwundenen Forum stammten aus dem Jahr 2004, die letzten habe es vor einigen Tagen gegeben. Die Ermittlungen gehen auf Informationen von tagesschau.de zurück, das Innenministerium in Magdeburg hat diese Rechercheergebnisse nach eigenen Angaben am Montag bekommen.

Heyder selbst sprach in einer NPD-Mitteilung von "hanebüchenem Unsinn". Linksradikale Hacker hätten offenbar unter seinem Namen bei der zentralen Registrierungsstelle Denic eine Internet-Domain registrieren lassen, erklärte der Landesvorsitzender und Spitzenkandidat der NPD.

Sachsen-Anhalt wählt am Sonntag einen neuen Landtag. In den letzten Umfragen lag die NPD bei fünf Prozent. Die Rechtsextremen könnten damit in den Landtag einziehen.

cjf/AFP/DPA / DPA