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Ermittlungen wegen massiven Betrugs: Sprachschule manipuliert Prüfungen und erfindet Schüler

Für ein paar 100 Euro konnten Schüler einer Sprachschule anscheinend falsche Prüfungsbescheinigungen kaufen. Der Staat soll die Integrationskurse sogar staatlich gefördert haben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen den Anbieter.

Groß angelegter Betrug mit staatlich geförderten Integrationskursen: Die Staatsanwaltschaft Dortmund und das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen ermitteln gegen einen Kursanbieter im Ruhrgebiet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag einen Bericht des ARD-Magazins "Report Mainz".

Es seien auch Schüler aufgeflogen, die mit illegal erworbenen Prüfungsbescheinigungen einen Einbürgerungsantrag gestellt hätten, sagte Oberstaatsanwältin Ina Holznagel. In einem Wuppertaler Fall konnte ein Bewerber bei der Verleihung der Einbürgerungsurkunde nicht einmal die deutsche Eidesformel sprechen.

Kursteilnehmer, die anderswo in Deutschland durchgefallen waren, sollen gezielt an die Schule vermittelt worden sein. Gegen Zahlung von ein paar 100 Euro seien die Sprachprüfungen manipuliert worden. Die beiden Betreiber der Sprachschule mit Filialen in Lünen, Hagen und Wuppertal, zwei Deutsch-Türken, sollen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) auch mehr Teilnehmer abgerechnet haben, als in den Kursen tatsächlich anwesend waren.

Manipulierte Prüfungen bei 96 Schülern

Insgesamt wird das Verfahren derzeit gegen zehn Beschuldigte geführt. Mindestens 96 Kursteilnehmer stehen bislang im Verdacht, ein Sprachzertifikat auf irregulärem Weg erlangt zu haben.

Das BAMF, das in die Ermittlungen einbezogen war, hat bei weitergehenden Überprüfungen von Teilnehmerlisten nach eigenen Angaben keine weiteren Verfehlungen entdeckt. Der Fall im Ruhrgebiet sei der einzig bekannte.

kave/DPA / DPA