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Ermittlungen zur Loveparade-Katastrophe: Schaller und Sauerland gelten nicht als Beschuldigte

Die Ermittlungen zur Loveparade-Katastrophe sind noch lange nicht am Ende. Die Staatsanwaltschaft will nun die 16 Beschuldigten anhören. Viele Duisburger wundern sich, dass ihr Oberbürgermeister nicht als Beschuldigter gilt.

Die Staatsanwaltschaft will jetzt die 16 Beschuldigten im Loveparade-Fall anhören und ihre Aussagen überprüfen. "Der größte Teil der Ermittlungstätigkeit ist erfolgt", sagte am Mittwoch der Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft, Rolf Haferkamp. Ob in diesem Jahr noch mit einem Abschluss zu rechnen ist, ist offen. Die Behörde ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in 21 Fällen und fahrlässigen Körperverletzung in rund 500 Fällen.

Am 24. Juli 2010 wurden in einem Gedränge zwischen einem Tunnel und der Zugangsrampe auf das Duisburger Loveparade-Gelände 21 Menschen zu Tode getreten oder tödlich verletzt.

Im Visier sind elf Mitarbeiter der Stadt Duisburg, vier vom Veranstalter Lopavent und ein Leitender Polizeidirektor. "Die bisherigen Ergebnisse reichen aus, um ein klares Bild über die Verantwortlichkeiten zu zeichnen", sagte Haferkamp. Der umstrittene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Lopavent-Chef Rainer Schaller gehören derzeit nicht zu den Beschuldigten.

Viele Duisburger Bürger äußerten sich verwundert darüber, dass ihr Stadtoberhaupt und Veranstalter Schaller nicht als Beschuldigte gelten. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu nicht äußern. Sauerland lehnte Interviews ab.

Der OB stehe zu den städtischen Mitarbeitern, gegen die ermittelt wird, sagte ein Sauerland-Sprecher. "Selbstverständlich" gingen sie weiter ihren Amtsgeschäften nach. Der Oberbürgermeister hatte bereits am Dienstag erklärt, es seien keinerlei Amtspflichten verletzt worden. Dass die Stadt nach den heftigen öffentlichen Diskussionen über die Katastrophe ihren Frieden noch nicht wiedergefunden hat, sei nachvollziehbar, sagte der Sprecher.

Der Duisburger OB hatte trotz massiver Kritik einen Rücktritt stets abgelehnt. Ein Abwahlantrag verfehlte im Rat die ausreichende Mehrheit. Juristisch steht Sauerland derzeit offenbar nicht im Visier der Ermittler. Er soll zwar die Durchführung der Loveparade gefordert haben, aber keine Genehmigungen unterschrieben haben, geht aus öffentlich gemachten Dokumenten hervor.

Der Loveparade-Veranstalter Schaller bekräftigte am Mittwoch in einer Erklärung, er hoffe auf eine schnelle juristische Klärung. "Aus vielen persönlichen Gesprächen weiß ich, dass sich gerade die Angehörigen der Opfer eine schnelle Klärung wünschen", erklärte der Inhaber der Fitnesscenter-Kette McFit. Er stehe "nach wie vor für persönliche Gespräche mit Betroffenen zur Verfügung".

Unterdessen bleibt auch das Thema Entschädigung weiter offen. Die Kanzlei Baum Reiter erneuerte am Mittwoch ihren Vorschlag zur Gründung einer Stiftung für Loveparade-Opfer. "Wenn den Opfern zügig geholfen werden soll, geht das nur, wenn wir die strafrechtliche Schuldfrage von der Frage der Hilfeleistungen abkoppeln", sagte Rechtsanwalt Julius Reiter der dpa. "Unser Vorschlag ist die Einrichtung einer staatlich kontrollierten Stiftung, die schnell und umfassend hilft." Es könne noch Jahre bis zu einer Verurteilung der Verantwortlichen dauern. "Wir halten es für unzumutbar, dass die Opfer möglicherweise Jahre warten." Reiter vertritt nach eigenen Angaben 65 Loveparade-Opfer.

Der ursprünglich eine Million Euro umfassende Hilfsfonds der Landesregierung ist inzwischen ausgeschöpft, wurde zum Jahresende aber bereits um 500 000 Euro wieder aufgestockt. Nach Angaben von Wolfgang Riotte, Ombudsmann der nordrhein-westfälischen Landesregierung für die Opfer der Loveparade, sind die Gelder an 75 Verletzte gegangen, die sich in stationärer Behandlung befanden. Gelder gingen außerdem an die Hinterbliebenen von 20 der 21 Toten. In einem Fall liegen erst seit kurzem die nötigen Unterlagen vor, so dass die Hilfe erst jetzt überwiesen werden kann.

DPA / DPA