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Helen Bailey: Getötete Kinderbuchautorin: Sie traf auf ihren Mörder in einer Facebook-Trauergruppe

Die Autorin Helen Bailey verdient Millionen mit ihren Kinder- und Jugendbüchern. Als sie ihren Mann durch einen tragischen Unfall verliert, sucht sie Hilfe in einer Facebook-Trauergruppe. Dort lernt sie einen Witwer kennen, der ihr Verlobter wird - und ihr Mörder.

Helen Bailey

Die britische Autorin Helen Bailey wurde im Alter von 51 Jahren ermordet

Helen Bailey ist eine erfolgreiche Jugendbuchautorin, als im Februar 2011 der Albtraum ihres Lebens beginnt. Im gemeinsamen Urlaub auf Barbados ertrinkt ihr Ehemann im Meer. 22 Jahre war das Paar laut eines Berichts des "Guardian" zum Zeitpunkt seines Todes bereits zusammen. Bailey, damals 46 Jahre alt und vor allem in ihrer Heimat Großbritannien bekannt für Bücher wie "Electra Brown", beschreibt ihren Umgang mit der Tragödie und ihren Alltag als Witwe im Anschluss in einem populären Blog namens "Planet Grief" ("Planet Trauer"). Außerdem sucht sie Trost in Trauerforen im Internet. Hier findet sie eine neue Liebe.

Ian Stewart ist ebenfalls verwitwet, seine Frau starb 2010 bei einem epileptischen Anfall. Der Mann, der von Nachbarn und Bekannten gegenüber britischen Medien als extrem unscheinbar beschrieben wird, und die aufgeschlossene Autorin werden ein Paar. 2014 zieht Bailey von London nach Royston, einer Kleinstadt rund 40 Meilen nördlich der britischen Hauptstadt, zu ihrem zukünftigen Verlobten. Mitten in die Hochzeitsplanungen des Paares verschwindet sie schließlich im April 2016 spurlos, was ihre Freunde und Familienmitglieder gegenüber der BBC als "völlig ungewöhnlich" für die zuverlässige Frau bezeichnen.

Helen Bailey: Drei Monate dauert die Suchaktion

Allerdings hatte Bailey in ihrem Blog einmal beschrieben, mit dem Gedanken zu spielen, ihren Mann zu verlassen. Zeitweise geht die deshalb davon aus, dass die Schriftstellerin ihr Verschwinden inszeniert haben könnte. Drei Monate dauert die Suchaktion unter wachsendem Interesse der britischen Öffentlichkeit, bis Polizisten den Leichnam von Bailey neben Überresten ihres Hundes Boris auf dem gemeinsamen Grundstück des Paares in einer Klärgrube entdecken.

Noch während der Suche hatte Stewart einen öffentlichen Appell an seine Verlobte gerichtet: "Helen, wo immer du sein magst, ich hoffe, du hörst diese Botschaft und verfolgst sie aufmerksam. Wir vermissen dich und Boris so sehr." Nach dem Fund der Leiche wird er von der Polizei unter Mordverdacht festgenommen. In den Ermittlungen stellt sich heraus, dass der 56-Jährige der Millionärin über Wochen ein Schlafmittel verabreicht. Nach Informationen des "Telegraph" habe er sie schließlich am späten Abend des 11. April 2016 mit einem Kissen erstickt.

Ein Gericht in St. Albans hat Stewart jetzt wegen Mordes schuldig gesprochen. Er hatte bis zuletzt bestritten, seine Verlobte getötet zu haben, um an ihr Vermögen von geschätzt rund 4 Millionen Pfund (4,73 Millionen Euro) zu gelangen. Das Strafmaß wird noch verkündet. Auch die Umstände des Todes seiner früheren Frau sollen nun noch einmal untersucht werden.

"Ich liebe dich. Du bist mein Happy End."

Aus dem Blog über Baileys Trauer war vor einiger Zeit ein Buch mit dem lakonischen Titel "When Bad Things Happen in Good Bikinis" ("Schlimme Dinge, die einem im schönen Bikini passieren können") entstanden - ein Werk, das nun ihr Vermächtnis ist. "Helen lebt in ihren Büchern weiter", hat Shelley Whitehead, Coach für Trauerbewältigung und eine Freundin Baileys, in einem Interview mit der BBC gesagt.

Nur die letzten Worte in "When Bad Things Happen in Good Bikinis" muten angesichts des Urteils heute unheimlich an: "Dieses Buch ist meinem reizenden grauhaarigen Witwer gewidmet, Ian Stewart: Ich liebe dich. Du bist mein Happy End."