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Ermordeter palästinensischer Junge Israelische Polizei nimmt sechs "jüdische Extremisten" fest


In Israel wurden sechs Verdächtige festgenommen, die an der brutalen Ermordung eines 16-jährigen Palästinensers beteiligt gewesen sein sollen. Es soll sich dabei um "jüdische Extremisten" handeln.

Im Fall des in Ost-Jerusalem entführten und ermordeten palästinensischen Jugendlichen sind "jüdische Extremisten" als Tatverdächtige festgenommen worden. Entsprechende Medienberichte wurden am Sonntag von einer offiziellen israelischen Quelle bestätigt, die aufgrund einer Nachrichtensperre anonym bleiben wollte. "Bei den in diesem Zusammenhang Festgenommenen handelt es sich offenbar um Angehörige einer extremistischen jüdischen Gruppierung", sagte die Quelle der Nachrichtenagentur AFP.

Zunächst hatte die Zeitung #link;http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/1.603317;"Haaretz" auf ihrer Website gemeldet, es seien sechs Tatverdächtige inhaftiert worden. Polizeisprecherin Luba Samri hatte zuvor auf Anfrage mitgeteilt: "Es gibt Hinweise, dass nationalistische Motive den Hintergrund der Tat bilden."

Der 17-jährige Mohammed Abu Chder war am Mittwoch im Morgengrauen auf dem Weg zur Moschee verschleppt worden. Kurz darauf wurde seine Leiche am westlichen Stadtrand von Jerusalem im Wald gefunden. Laut am Samstag von palästinensischer Seite veröffentlichten Autopsie-Ergebnissen wurde der Junge offenbar bei lebendigem Leib verbrannt. Von Beginn an wurde vermutet, dass es sich um einen Racheakt für die Verschleppung und Ermordung von drei israelischen Teenagern Mitte Juni handelte.

USA äußern scharfe Kritik

In einem halben Dutzend von arabischen Israelis bewohnten Orten wurden aus Protest gegen die Ermordung des palästinensischen Jugendlichen in Ost-Jerusalem Straßen blockiert, Steine und Brandflaschen geworfen. Die Polizei meldete insbesondere Zusammenstöße in den Städten Taibeh, Tira, Kalansua und Nazareth. Laut Sprecherin Luba Samri wurden seit Freitagabend 35 Palästinenser und arabische Israelis festgenommen, fast die Hälfte unter ihnen Jugendliche. Allein 22 Festnahmen erfolgten in Nazareth.

Zu Beunruhigung in den USA führten die Umstände der Festnahme von Tarik Abu Chder, eines 15 Jahre alten Cousins des am Mittwoch ermordeten Abu Chder. Er ist US-Bürger, lebt in Florida und ist gegenwärtig erstmals seit zehn Jahren zu Besuch bei seinen Verwandten in Ost-Jerusalem. Israelische Medien bringen seine Festnahme mit einem im Internet verbreiteten Video in Verbindung.

Die Aufnahmen zeigen, wie offenbar ein israelischer Grenzpolizist auf einen am Boden liegenden Menschen, auf dem ein Kollege kniet, immer wieder brutal einschlägt und -tritt, bevor der Bewusstlose weggetragen wird. Polizeisprecherin Samri konnte nicht bestätigen, dass es sich bei dem Opfer um Tarik Abu Chder handelte. Das Video sei jedoch bei der Festnahme von sechs Palästinensern gefilmt worden, zu denen der 15-jährige gehörte.

Das US-Außenministerium äußerte sich "zutiefst beunruhigt" über die Berichte, wonach der 15-jährige "im Polizeigewahrsam heftig geschlagen" wurde. In der Erklärung verurteilte das Ministerium "den exzessiven Einsatz von Gewalt" und forderte sofortige und umfassende Aufklärung. US-Außenminister John Kerry Sprach der Familie des ermordeten Jugendlichen per Twitter sein Beileid aus. Tarik Abu Chder wurde am Sonntag wegen der Beteiligung an Ausschreitungen von einem Richter zu neun Tagen Hausarrest verurteilt.

ono/AFP/Reuters Reuters

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