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Erschossener Teenager Michael Brown: Jury berät über Todesschützen von Ferguson

Eine Geschworenenjury muss entscheiden, ob gegen den weißen Polizisten Darren Wilson ermittelt wird. US-Justizminister Holder traf in Ferguson die Familie des getöteten Afroamerikaners Michael Brown.

US-Justizminister Eric Holder (Mitte) traf in St. Louis mit der Bundespolizei FBI zusammen

US-Justizminister Eric Holder (Mitte) traf in St. Louis mit der Bundespolizei FBI zusammen

Der Fall des getöteten afroamerikanischen Jugendlichen Michael Brown beschäftigt nun eine Geschworenenjury im US-Bundesstaat Missouri. Das Gremium in Clayton bei St. Louis nahm die Beratungen darüber auf, ob gegen Browns #link;http://www.stern.de/panorama/nahe-ferguson-polizei-erschiesst-bewaffneten-afro-amerikaner-2132140.html;weißen Todesschützen Darren Wilson# ein Verfahren eröffnet wird. Einen Zeitrahmen dafür gebe es nicht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zugleich führte US-Justizminister Eric Holder bei einem Besuch in Ferguson Gespräche mit der Bundespolizei FBI.

Holder traf auch mit der Familie Michael Browns zusammen. Bei dem 20-minütigen Treffen versprach er den Eltern eine "faire und unabhängige Untersuchung" der tödlichen Polizeischüsse. Ähnlich hatte sich der Minister bereits in Gesprächen mit Studenten und aufgebrachten Bewohnern des Vorortes von St. Louis geäußert. Er habe die "erfahrensten Ermittler und Staatsanwälte" damit beauftragt, den Tod des 18-Jährigen zu untersuchen, versicherte er.

Ruhiger Abend in Ferguson

Am Mittwochabend führten mehrere Pastoren, ein Rabbi und ein Imam einen Protestzug von rund 100 Menschen zum Büro der Staatsanwaltschaft von St. Louis County in Clayton an. In Ferguson versammelten sich rund 50 Demonstranten im Regen. Nach Augenzeugenberichten kam es kurzzeitig zu Spannungen, als zwei Weiße Schilder für den Polizisten Darren Wilson hochhielten. Polizisten leiteten sie unter Pfiffen und Buhrufen weg.

Der Ort wurde nach den tödlichen Schüssen am 9. August von tagelangen Unruhen erschüttert. Erstmals seit über einer Woche verlief die Nacht nun vergleichsweise ruhig. Doch es werden weitere Proteste erwartet. Vor dem Gerichtsgebäude in Clayton forderten mehrere Dutzend Demonstranten, dass der 28 Jahre alte Wilson angeklagt wird. Dieser ist seit dem tödlichen Zwischenfall beurlaubt.

Welche Rolle spielt der Staatsanwalt?

Angeheizt wird die Diskussion durch den weißen Staatsanwalt Robert McCulloch, dem einige in der überwiegend schwarzen Bevölkerung misstrauen. Demonstranten forderten auf Spruchbändern: "Tritt ab McCulloch".

Sein Vater war selbst Polizist und wurde von einem Schwarzen getötet, als McCulloch zwölf Jahre alt war. Manche bezweifeln deshalb, dass er den Fall Brown unvoreingenommen bearbeiten kann. Im Jahr 2000 entschied er sich etwa, keine Anklage gegen zwei Polizisten zu erheben, die zwei unbewaffnete schwarze Drogendealer mit 20 Schüssen auf deren Auto getötet hatten.

In einer Petition fordern Unterstützer von Gouverneur Jay Nixon, McCulloch von dem Fall abzuziehen und einen Sonderstaatsanwalt einzusetzen. Nixon bezeichnete ihn dagegen als "erfahrenen Staatsanwalt", der nun im Fall Brown die Chance habe, sich zu beweisen. Ein Sprecher des Staatsanwalts meinte: "Die Menschen im Bezirk St. Louis haben Vertrauen in Herrn McCulloch und seine Fähigkeit, seine Pflichten zu erfüllen." McCulloch ist seit 1991 Staatsanwalt und seitdem alle vier Jahre wiedergewählt worden.

L.A. diskutiert über toten Afroamerikaner

In South Los Angeles sorgt der gewaltsame Tod eines Afroamerikaners für Diskussionen. Wie die "Los Angeles Times" berichtet, kamen am Mittwochabend mehr als 200 Anwohner und Aktivisten zu einem Treffen mit Polizei-Chef Beck zusammen. Sie forderten eine vollständige Aufklärung des Polizeieinsatzes am 11. August, bei dem ein 25-jähriger Afroamerikaner durch Schüsse ums Leben gekommen war.

Nach Mitteilung der Polizei war der 25-Jährige auf der Straße von zwei Beamten angehalten worden. Er habe dabei "verdächtige Bewegungen" gemacht. Im Verlauf eines Handgemenges habe er versucht nach einer Polizeipistole zu greifen. Die Beamten hätten daraufhin Schüsse abgegeben. Der Mann erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Nach US-Medienberichten sagten Augenzeugen, dass der Mann sich nicht der Polizei widersetzt habe. Verwandten zufolge war das Opfer psychisch krank und litt an Depressionen.

nck/DPA/AFP / DPA