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Erziehungsmaßnahme: Hessen schickt Gewalttäter nach Sibirien

In eine wahrlich "reiz- und konsumarme Umgebung" haben hessische Behörden einen jugendlichen Gewalttäter zur Besserung geschickt: Der 16-Jährige muss zusammen mit einem Betreuer neun Monate in Sibirien leben. Es gehe nicht um Bestrafung, sondern um eine "erlebnispädagogische Maßnahme", heißt es.

Die Behörden in Hessen greifen im Umgang mit jugendlichen Gewalttätern zu drastischen Mitteln. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wurde ein 16-jähriger Schüler zur Besserung nach Sibirien geschickt. Der immer wieder als gewalttätig aufgefallene Jugendliche solle dort auf Beschluss des Jugendamtes im Landkreis Gießen ein Dreivierteljahr lang gemeinsam mit einem Betreuer unter einfachsten Bedingungen leben.

Es gehe nicht um eine Bestrafung, sondern um eine "erlebnispädagogische Maßnahme", sagte der Jugenddezernent des Landkreises, Stefan Becker, dem Blatt. Etwa die Hälfte seiner Zeit in Sibirien sei bereits vorbei. Der Jugendliche solle einer "möglichst reiz- und konsumarmen Umgebung" ausgesetzt werden.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat im Landtagswahlkampf mit Forderungen nach einem härteren Umgang mit jugendlichen Gewalttätern eine bundesweite Debatte ausgelöst. Die SPD lehnt die von der CDU geforderte Verschärfung des Jugendstrafrechts strikt ab. Seit dem Amtsantritt Kochs hat das Land den höchsten Zuwachs an jugendlichen Gewalttätern bundesweit. In Hessen wird am 27. Januar ein neuer Landtag gewählt. Umfragen zufolge droht Koch der Verlust der absoluten Mehrheit.

DPA / DPA
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