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Essen in der Kunst Uralte Pommes kosten Galerie 2000 Euro

Das Münchner Oberlandesgericht hat ein Urteil mit Nachgeschmack gefällt: Wer alte Fritten verschlampt, muss teuer dafür bezahlen. Zumindest dann, wenn sie als Vorlage für ein Kunstwerk dienten.

Eine Kunstgalerie muss für zwei 22 Jahre alte und inzwischen verschollene Stück Pommes Frites 2000 Euro Schadenersatz zahlen. Das Oberlandesgericht München entschied, dass die Galerie ihre Aufbewahrungspflicht verletzt hat.

Die fettigen Kartoffelstäbchen dienten anno 1990 als Vorlage für ein taschenuhrgroßes Objekt aus feinstem Gold: Eine Pommes legt sich über eine andere und bildet so ein Kreuz. Zwar befasste sich das Gericht nicht mit der Frage, ob die Fritten, die 1990 für das Werk "Pommes D'Or" Modell standen, selbst Kunst waren. Aber sie hätten allein deshalb einen wirtschaftlichen Wert: Eine Zeugin habe glaubhaft angegeben, dass sie die Fritten gerne für 2500 Euro gekauft hätte.

Die Galeristin Andrea Tschechow sieht in den Pommes kein Kunstwerk, das aufgehoben werden musste - im Gegenteil. "Sie waren nie ein eigenständiges Kunstwerk", sagte sie vor der Urteilsverkündigung. Sobald die Gold-Pommes gegossen waren, hätten die Vorlagen mindestens gekennzeichnet oder aber vernichtet werden müssen: "Das darf sogar nicht aufgehoben werden, denn es darf kein weiterer Guss hergestellt werden, da die Gold-Pommes ein Einzelstück waren", sagte sie. "Dafür, dass es ein Unikat bleibt, steht die Galerie mit ihrem Namen gerade."

"Jedes Pommeskreuz ist ein Original"

Das sehen der Künstler, sein Anwalt und eine befreundete Sammlerin ganz anders. Die Sammlerin, die mit dem Künstler seit 20 Jahren bekannt ist, hatte im Januar vor Gericht erklärt, sie hätte die alten Pommes gerne gekauft und dafür 2500 Euro gezahlt. Sie und ihr Mann hätten den Preis akzeptiert, "weil alles ist teurer geworden". Der Künstler selbst betont, ein Original habe immer einen besonderen Wert. "Ein Original ist der Ausgangspunkt, jedes Pommeskreuz ist ein Original, jedes Frittenstäbchen hat eine andere Form", sagte Bohnenberger. Es gehe auch nicht unbedingt darum, ob es Kunst sei: "Die Galerie hat die Aufbewahrungspflicht für das Original."

In erster Instanz hatte das Landgericht entschieden, der Künstler habe nicht schlüssig dargelegt, dass es sich um ein Kunstwerk handele. Für OLG-Richter Fischer ist dennoch nicht ausgeschlossen, dass die Pommes einen monetären Wert haben. Er wolle nicht der spannenden Frage nachgehen, was Kunst sei, sagte er bei der mündlichen Verhandlung. Dazu habe das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass es keinen Konsens gebe, gerade weil die Avantgarde versuche, die Grenzen des Kunstbegriffs zu erweitern. Vielmehr gehe es um eine mögliche Pflichtverletzung der Galerie. Die Pommes seien mindestes etwas, dem die Parteien Bedeutung beigemessen hätten. Und in einer Marktwirtschaft gelte: "Einen Wert hat nur das, für das ein anderer bereit ist, einen entsprechenden Preis zu zahlen."

iml/jar/DPA DPA

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